Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit: Miu 

Miu ist Sängerin und Musikerin beheimatet am Hamburger Stadtrand. Mit ihrer Mischung aus modernem Soul und frischer Popmusik begeistert sie zahlreiche Fans. Neben regelmäßigen Auftritten in Hamburger Clubs, war sie 2017 auch eine der ersten Künstlerinnen, die nach der Eröffnung in der Elbphilharmonie aufgetreten ist. Miu überrascht immer wieder durch einen mutigen und nach vorne gewandten Umgang mit neuen Herausforderungen. Auch in den vergangenen 18 Monaten hat sie wiederholt durch innovative Konzeptideen von sich reden gemacht und andere dazu animiert, für sich selber und die Branche einzustehen. 

Im Gespräch mit der Musikerin dreht sich natürlich alles um das Fehlen echter Livekonzerte und die Auswirkung auf Musiker:innen und Bands. Werden überhaupt noch Zukunftspläne für die kommenden Monate gemacht und wie sehend diese bei Miu aus?

Da auch dieses Interview unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorgaben stattfindet, starten wir den Zoom-Call mit einer virtuellen Clubtour über den Hamburger Kiez.

STELL DIR VOR, WIR KÖNNTEN EINE ABENDLICHE CLUBTOUR MACHEN. IN WELCHEN LÄDEN WÜRDEN WIR DICH TREFFEN?
Starten würde ich im Le Lion, gegenüber vom Café Paris in der Innenstadt. Kein Club, aber eine Bar, mit sehr guten Cocktails. Ich würde mir einen Gin Basil Smash genehmigen und dann in den Gruenspan zum Savage Club weiterziehen. Hier spielen viele Musiker:innen, die ich kenne und es ist ein klasse Club zum Tanzen. Später würde ich noch einen Stopp in Angie´s Nightclub einlegen und auch dort wieder befreundete Musiker:innen treffen. Wenn ich Lust auf Soul-Konzerte hab, würde ich sicher ins Mojo oder den Nochtpeicher schlendern.

ECHTE AUFTRITTE MIT PUBLIKUM SIND IN DEUTSCHLAND NOCH RAR GESÄT DERZEIT: WIE SIEHT ES BEI DIR AUS?
Ich hatte das Glück im Rahmen eines Testkonzeptes im Nordkolleg Rendsburg aufzutreten. Das Gefühl vor einem echten Publikum zu spielen war großartig. Auch sonst tut sich immer wieder etwas auf. Von Streaming-Gigs bis zu sommerlichen Open-Air-Konzerten, war alles dabei in den vergangenen Monaten. 

ENTWICKLT SICH STREAMING ZU EINER ALTERNATIVE ZUM LIVEKONZERT?
Auf keinen Fall. Streaming ist ein völlig anderes Format der Darbietung. Es stellt völlig andere Anforderungen an alle Beteiligten – auf und hinter der Bühne. Hierbei wird seitens der Veranstalter:innen viel mehr konzeptionelles Denken und Handeln vorausgesetzt. Fast wie bei einer TV-Sendung muss die Dramaturgie noch besser geplant werden, um dem Publikum einen größeren Mehrwert bieten zu können. Die Herausforderung ist auch für uns Künstler:innen größer. Wir müssen uns ja mit den gebotenen Mitteln, wie Licht und Ton noch besser in Szene zu setzen und können nicht auf das Feedback aus dem Publikum reagieren. Wir müssen in der Regel die Konzeption auch noch selbst in die Hand nehmen. Meist gehen mit Streaming-Veranstaltungen daher viel höhere Kosten einher als gedacht, auch sind die Einnahmen für viele damit geringer. Streaming kann daher immer nur ein Zusatz- oder Ersatzangebot sein, nie aber das echte Konzert ersetzen, finde ich.

GIBT ES AUS DEN VERGANENEN MONATEN AUGENBLICK, An DIE DU GERN ZURÜCKDENKST
Natürlich, sind da viele kleine und große Momente, die schön waren. Da war unter anderem der Auftritt beim Reeperbahn Festival. Wir haben draußen beim N-JOY Reeperbus und drinnen im Uebel & Gefährlich gespielt. Ein toller Gig, nicht zuletzt auch dank der großartigen Organisation des Teams vor Ort. Man konnte für einen kurzen Augenblick die Corona Krise vergessen und sich ganz dem Auftritt zuwenden. Das haben mein BAnd und ich sehr genossen. Auch der Auftritt auf dem Lattenplatz vor dem Knust war schön. Es gibt immer wieder kleine Lichtblicke, die einen durch diese schwierige Zeit helfen.

WIE BIST DU DURCH DIER KRISE GEKOMMEN? KONNTEST DU STAATLICHE ZUWENDUNGEN IN ANSPRUCH NEHMEN?
Die vergangenen Monate waren auch für mich sehr hart und es ist weiterhin nicht einfach. Ich hatte Konzerte geplant, die nun wiederholt verschoben wurden oder ganz abgesagt sind. Die Einnahmen waren fest für mich und auch für meine Band eingeplant. Einige staatliche Zuwendungen von Bund und Land waren hilfreich, andere leider auch in meinem Fall sehr kompliziert in der Beantragung
oder teilweise gar nicht zu beantragen. Hinzu kamen zeitliche Verzögerungen bei Eingängen, die vieles weiter erschwerten. Die Produktion der Corona Tapes EP, habe ich dank meiner Fans mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert bekommen. Gerade jetzt ist es wichtig, auf neue Möglichkeiten der Fanbindung zu setzen. So bin ich neben Facebook, Instagram und den Streaming Plattformen auch auf der Fanplattform Patreon aktiv und im direkten Austausch mit meinen Fans. Ich bin als unabhängige Musikerin meinen Fans sehr dankbar für diese Unterstützung in einer Zeit, in denen Musiker:innen und Bands ohne Livekonzerte kaum etwas verdienen. 

WELCHE PLÄNE HAST DU FÜR DIE KOMMENDEN WOCHEN UND MONATE?
Es stehen ein paar Gigs im Raum, jedoch musste ich auch gerade mein geplantes Konzert im Mojo in den Herbst verschieben. Und umso länger das Publikum wartet, desto skeptischer werden wir alle und frühzeitige Ticketverkäufe gehen zurück. Ich schaue weiter nach Alternativen und widme mich derzeit wieder dem Schreiben neuer Musik. Gerade habe ich eine erste Single eingespielt und produziere eine neue EP. Bis dahin bemühe ich mich um weitere Auftrittsmöglichkeiten und bin mit Veranstalter:innen im Austausch. Ich hoffe, dass ich bald wieder mit Publikum vor Ort spielen kann.

ZUR KÜNSTLERIN

Miu_Gruenspan_by_Annemone_Taake

Miu engagiert sich neben ihrer Rolle als Vorständin bei RockCity Hamburg e.V.,  auch über Hamburg hinaus immer wieder für bessere Bedingungen von Musiker:innen und Bands und Musikschaffenden. Hierfür ist sie Mitglied in der GEMA, GVL, Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V., ver.di und Pro Musik. Miu zeigt sich immer wieder kreativ und tatkräftig im Umgang mit neuen Herausforderungen ihrer Branche.

Ihr Doppel-Album Modern Retro Soul schickt sie derzeit allein auf Tournee und nutzt die neuen Medien wie Instagram, ebenso wie Patreon zum persönlichen Austausch mit ihren Fans. Quasi nebenbei kreierte Miu mit befreundeten Musiker:innen mit dem Song “Stay Home” einen Ohrwurm. Derzeit schreibt sie wieder an neuer Musik, die Anfang 2022 erscheinen soll.

Weiterführende Links https://miu-music.org

Fotocredit: Miu Titel by Zaucke Photography, Live by Annemone Taake

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.