Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit: Chefboss

Dank Konfetti-Kanonen und Tänzern sind eure Konzerte ein ganz besonderes Spektakel. Warum ist Tanz für euch eine gleichberechtigte Kunstform?

Alice Martin: Erstmal ist es geil zum Gucken, und außerdem – das klingt jetzt kitschig, aber Tanz geht über sprachliche Grenzen hinaus. Wenn Leute in der Musik mit ihren Körpern rhythmisch zueinander finden, geht da nichts drüber.

Maike Mohr: Das haben wir auch gemerkt, als wie in Ländern wie Namibia, Uganda und in Kanada gespielt haben. Die Leute haben unsere Texte zwar nicht verstanden, aber alleine durch den Tanz entstand eine Verbindung. Irgendwann fallen alle Hemmungen, alle schreien, tanzen und springen rum. Dann achtet niemand mehr darauf, ob er dabei toll aussieht, sondern alle lassen ihren Gefühlen freien Lauf.

Was passiert in euch, wenn ihr tanzt?

Maike: Das kann sehr unterschiedlich sein und ist schwer zu erklären. Oft wird das Gefühl, das ich sowieso schon habe, beim Tanzen noch intensiver. Manchmal empfinde ich aber auch etwas ganz anderes. Es gibt Tage, da bin ich traurig, habe aber Lust fröhlich zu tanzen, und an anderen Tagen bin ich fröhlich, möchte aber etwas eher schweres tanzen.

Wo kann man in Hamburg besonders gut tanzen?

Alice: Ganz ehrlich: Wenn es sich gut anfühlt, man coole Leute um sich hat und die Mucke feiert, kann man überall tanzen. Wo wir schon getanzt haben… Selbst im Van, als wir unterwegs waren. Gurt auf und Booty Shake! Aber wenn wir von Läden sprechen, früher waren wir oft im Alten Donner und im Waagenbau. Als Dancehall noch nicht so am Start war, gab es im Waagenbau montags immer Dancehall-Partys, wo der gute Dancehall gespielt wurde, jenseits von Sean Paul, frisch aus Jamaika. Das war eine kleine, geheime Community. Maike: Das Uebel & Gefährlich oder der Mojo Club sind auch super. Aber da wir auf Tour ja ständig diese ultimative Party auf der Bühne haben, gehen wir in Hamburg gar nicht mehr so viel aus.

Könnt ihr euch noch an euren ersten Club- oder Konzertbesuch erinnern?

Maike: Ich bin früher immer ins Café Seeterrassen gegangen, weil das Alter da nicht so genau kontrolliert wurde. Damals hatte man ja immer das Problem, dass man nicht reinkam.

Alice: Dabei hatte man sich extra geschminkt, um älter auszusehen (lacht). Später, als wir dann auf den Kiez konnten, war ich zuerst in so Standard-Dingern wie im Funky Pussy Club.

In welchen Clubs oder Räumen hattet ihr mit Chefboss eure ersten Auftritte?

Alice: Unser allererster Auftritt war tatsächlich im Terrace Hill. Wir waren damals noch dabei die Band aufzubauen und hatten nur ein paar Demos, aber dann kam unser Manager und meinte wir hätten die Möglichkeit, da zu spielen. Wir haben uns dann das Konzept mit den Masken und Tänzern überlegt. Wir dachten wer weiß, vielleicht spielen wir nie wieder! Also wollten wir richtig auf die Kacke hauen. Der Club war dann nur mit unseren Leuten gefüllt, aber egal!

Was hat dieser Ort für euren Werdegang bedeutet?

Maike: Irgendwie wurde der Bunker zu einem Ankerpunkt in unserer Laufbahn. Unser zweites Konzert war im Uebel & Gefährlich, unser ausverkauftes Tourabschluss-Konzert letztes Jahr auch. Unser neues Video „Kein Geld der Welt“ haben wir auf dem Dach vom Bunker gedreht und im April spielen wir wieder dort.

Alice: Es ist schon toll, was die für junge Künstler machen. Es gibt da wirklich oft Release-Partys oder Shows von kleineren Bands.

Was macht einen guten Laden generell aus?

Alice: Aus Künstlersicht natürlich die Anlage. Außerdem muss die Bühne groß genug sein. Wir haben schon in Clubs gespielt, wo wir uns beim Tanzen den Kopf an der Decke gestoßen haben. Ansonsten, auch als Besucher, muss der Grund-Vibe stimmen. Ich mag Läden, in denen viele verschiedene Leute zusammenkommen und keiner das Gefühl hat, dass er da nicht reingehört.

Wie würdet ihr die Hamburger Clublandschaft beschreiben?

Alice: Eigentlich ist sie sehr vielfältig und ausgewogen. Es ist halt schade, dass so viele Länden zumachen müssen – vor allem die Clubs, die gebraucht werden. Zuletzt hatten ja der Moloch und der Pudel sehr zu kämpfen. Der Kiez überlebt immer, da gehen immer Touris hin. Aber diese kleinen Perlen, wo man als Hamburger gerne hingeht, müssen ums Überleben kämpfen.

Wenn ihr in Hamburg euer eigenes Festival veranstalten dürftet, wo würde es stattfinden und mit wem?

Alice: Also wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich den Oberhafen kaufen, um die Räume jungen Musikern und Künstlern zur Verfügung zu stellen. Mit Proberäumen, die sie umsonst nutzen können, Studios, in denen sie Erfahrungen sammeln können und wo Paten ihnen erklären, wie alles funktioniert, mit Ateliers und Arbeitsplätzen, damit man sich nicht für 400 Euro im Monat einen Co-Working-Space mieten muss. Da könnte dann locker auch das Festival stattfinden, mit Bühnen in den einzelnen Hallen.

Maike: Das wäre natürlich eine Mischung aus Musik und Tanz!

Alice: Natürlich würden wir alle Freunde einladen, die Mucke machen, aber auch die Leute, die wir in Namibia und Uganda kennengelernt haben – damit sie ihre Musik hier vorstellen können.

Bei welchem Konzert würdet ihr im April gerne auf der Gästeliste stehen?

Alice: Bei The Kooks am 1. April in der Sporthalle, denn die habe ich früher voll gefeiert und ich würde gerne sehen, was sie jetzt so machen. Und natürlich bei Bilderbuch am 17. April im Mehr Theater.

Maike: Ich würde auch zu Bilderbuch gehen. Die haben immer so coole Videos, dass mich interessieren würde, wie das auf der Bühne aussieht. Und Flo Mega am 27. April im Mojo Club – das ist ja ein Kollege von uns und ich habe es noch nie auf ein Konzert von ihm geschafft.

Habt ihr noch ein letztes Wort an die Hamburger Clubgänger?

Alice: Hol dein Freak raus!


ZUR BAND

Die aus Hamburg stammende Tänzerin und Choreografin Maike Mohr und die Sängerin Alice Martin gründeten 2014 gemeinsam die Gruppe Chefboss. Ihr Konzept: Deutschsprachigen Dancehall auf der Bühne mit Tanzmoves zu verbinden. Nach der ersten EP „Blitzlichtgewitter“ erschien 2017 ihr Debütalbum Blitze aus Gold. Von den Beats und Texten über Kostüme, Musikvideos und Bühnenshows – bei Chefboss entsteht alles in Eigenregie. Mit ihren Live-Shows haben sie auch schon über die Landesgrenzen hinaus für Euphorie gesorgt.


ZUR MUSIK

Pünktlich zu ihrer Tour veröffentlichen Chefboss ihre neue EP „Kein Geld der Welt“. Neben dem Titeltrack, in dessen Video kein geringerer als Bosse einen Gastauftritt hat, enthält die EP sechs weitere tanzbare Dancehall-Songs – darunter auch die Single „Hol dein Freak raus“, die das Motto der Tour ist. Exklusiv und nur auf der Tour wird es zudem ein rund 120-seitiges Buch geben, das Alice Martin geschrieben hat. Anhand von Fotos und Geschichten skizziert es die Meilensteine der Chefboss-Geschichte.


CHEFBOSS live

Datum: 13. April 2019 Ort: Uebel & Gefährlich

Einlass: 19 Uhr Beginn: 20 Uhr

Tickets: ausverkauft

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