Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit: BRETT

Jeden Monat sprechen wir mit einer Hamburger Band oder einem/einer KünstlerIn über die hiesige Clublandschaft. Diesen Monat: Max Reckleben von BRETT.

Im Herbst 2017 hast du in einer ehemaligen Autowerkstatt in Ottensen gemeinsam mit einem Freund die Hebebühne eröffnet. Was war eure Vision?

Max Reckleben: Mit Brett war es immer wahnsinnig schwer, Proberäume zu finden. Also haben wir irgendwann beschlossen, selber etwas aufzuziehen und der Hamburger Kreativszene ein kleines neues Leuchtturmprojekt zu geben. Die Hebebühne ist spießig gesagt ein Begegnungsort für Kreative und Künstler auf allen Ebenen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Live-Club, eine Etage darüber liegen Probe- und Kreativräume – für Studioaufnahmen, aber auch Foto- und Video-Produktion.

Was ist seit der Eröffnung passiert und wo steht ihr heute?

Die Hebebühne entwickelt sich immer weiter und etabliert sich als Konzert- und Theater-Ort. Im Moment haben wir pro Monat bis zu acht öffentliche Veranstaltungen und wir sind 2018 sogar bester neuer Club in Hamburg geworden. Wir machen auch viel mit der Volkshochschule und vermieten die Hebebühne für private Feiern oder Generalproben. Hamburger Künstler wie Max Giesinger oder Meute bereiten sich dann bei uns auf ihre Tour vor. Das macht alles total Spaß.

Wie schwer ist es, so ein Projekt zu realisieren?

Wir hatten auf jeden Fall einige Blasen an den Pfoten! Wir haben das Gebäude ja komplett entkernt. Jede Leitung und Heizung, der Boden und die Decken – alles ist neu. Aber auch sonst hatten wir einige Steine aus dem Weg zu räumen. Das Amt stand dem Projekt anfangs skeptisch gegenüber, vor allem wegen möglicher Anwohnerprobleme. Ein Lärmschutzkonzept zu erarbeiten, hat sehr lange gedauert und war aufwendig. Die meisten Anwohner finden es inzwischen toll – es gibt allerdings immer einen, der etwas dagegen hat und der kann dir das Leben richtig schwer machen. Aber da sind wir durch und das hat uns als Team noch mehr zusammengeschweißt.

Clubbetreiber sagen oft, in den heutigen Tagen einen Club zu eröffnen, sei verrückt…

Da ich sehr jung und naiv war – was ich heute wahrscheinlich immer noch bin – haben wir das einfach gemacht. Wir waren bescheuert genug, um es zu wagen. Mit allem, was ich heute weiß, weiß ich nicht, ob ich es noch mal so angehen würde. Aber die Hebebühne trägt sich und darauf sind wir stolz.

Wenn du Kultursenator wärst, was würdest du in Hamburg ändern?

(Lacht) Das ist eine sehr abwegige Annahme! Generell finde ich Politik, die institutionalisiert ist, immer schwierig. Politik findet bei jedem Menschen selber statt, man muss ja seine eigenen Entscheidungen treffen. Und das schöne ist: In unserer vermeintlich freien Welt kann man das auch. Also ich würde mir nicht anmaßen zu sagen, was sich ändern soll. Die Menschen sollten die Welt selbst so gestalten, wie sie sie haben möchten. Was einem wichtig ist, kann man auch umsetzen.

Du bist vor 9 Jahren aus dem Harz nach Hamburg gekommen. Was hat dich hierher verschlagen?

Die Langeweile. Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen und ich musste da raus, weit weg, in eine große Stadt. Hamburg hatte halt diesen Mythos – immer schon, bei uns auf dem Dorf.

Kannst du dich noch an deinen ersten Club- oder Konzertbesuch in Hamburg erinnern? 

Mein erstes Konzert war Johnossi im alten Molotow. Ich war damals, mit 16, ein richtiges Indie-Kind und habe die geliebt. Der Vater meines guten Freundes, mit dem ich auf dem Konzert war, hat uns extra nach Hamburg gefahren. Wir haben in der Garage unter den Esso-Häusern geparkt und als wir rauskamen, lief uns plötzlich der Schlagzeuger Ossi über den Weg. Er hat uns gefragt, ob wir reinkommen wollen, aber wir waren so verwirrt, dass wir nein gesagt haben…

Wo hattet ihr mit Brett eure ersten Auftritte?

Unsere erste Show war im kukuun. Das war das erste Mal, dass wir uns aus dem Studio rausgetraut haben. Wir haben extra ein paar Leute eingeladen, ein klassisches Showcase also. Die Leute von unserem Label Chimperator zum Beispiel waren auch da und von daher war das tatsächlich der Anfang für uns. Danach waren wir relativ schnell in Deutschland und auf Festivals unterwegs, also so oft haben wir in Hamburg gar nicht gespielt. Aber ich liebe das Grünspan. Das ist einfach ein mega Laden.

Wo trifft man dich sonst noch?

Ich bin natürlich viel in der Hebebühne. Ansonsten, meine absolute Lieblingskneipe heißt Fasan. Die ist wirklich großartig und hat einen tollen Stil. Das ist eine ganz alte Kneipe, die jetzt aber frisch übernommen wurde von zwei sehr coolen Typen. Den Vibe haben sie beibehalten, aber durch ganz viel Leben, ein tolles Team und coole Leute ergänzt. Das ist echt ein schöner Ort.

Was macht einen guten Laden aus?

Kommt immer ein bisschen drauf an, was das Konzept des Ladens ist. Aber auf jeden Fall, wenn man merkt, da sind Sachen passiert. Mythos ist wichtig, denn der erzählt die Geschichte – ob Leute das ernst genommen und mit Liebe gemacht haben. Einen guten Laden macht natürlich auch aus, dass er gut klingt, genau wie die Optik. Im Grünspan finde ich es super, dass alles so alt ist. Authentisch muss das Ding sein – und da gibt es in Hamburg auf jeden Fall einige Orte.

Wie würdest du die Hamburger Clublandschaft beschreiben?

Ehrlich gesagt finde ich es im Vergleich zu Berlin relativ überschaubar und statisch. Das ist ein bisschen schade, hat aber auch seine Vorteile: Das Netzwerk ist dadurch stärker. Man bekommt wirklich ein Solidaritätsgefühl. Die Leute von der Fabrik zum Beispiel haben uns so doll unterstützt. Da ist überhaupt kein Vorbehalt oder Konkurrenzgefühl und das finde ich mega.

Wenn du freie Wahl hättest, wen würdest du in die Hebebühne gerne mal buchen?

Ich würde auf jeden Fall The Strokes buchen – die waren nämlich der Grund, dass ich damals angefangen habe, Musik zu machen. Ich wollte so cool sein wie Julian Casablancas, mit den engsten Hosen der Welt, Lederjacke und lange Haare. Dazu würde ich noch Simon & Garfunkel buchen. Die beiden müssten sich wieder zusammenfinden, extra für mich, und dann mit den Strokes ein Feature spielen.

Hast du noch ein letztes Wort an die Hamburger Clubgänger?

Geht zu Konzerten!


ZUR BAND

Vor rund neun Jahren landeten Sänger Max Reckleben, Gitarrist Felix Stackfleth und Schlagzeuger Stefan Schulten in Hamburg und gründeten gemeinsam mit dem damaligen Bassist Laurenz Gust die Band Brett. Ihre „EP #1″ stellten sie 2016 zum kostenlosen Download ins Netz. Die im Frühjahr 2017 fertiggestellte „EP #2″ erschien über das für Panda-Rapper Cro bekannte Label Chimperator, gefolgt von ihrem Debütalbum „WutKitsch“. Aktuell arbeiten Brett an ihrem zweiten Album. Einen ersten Vorgeschmack soll es noch dieses Jahr geben.

http://www.wirsindbrett.de


ZUR MUSIK

Produzent Franz Plasa war es, der Brett einst vorschlug, sie sollten doch deutsch singen. Ein guter Rat, denn der Sound der Hamburger Band ist daher einzigartig: Beeinflusst von Hendrix und Led Zeppelin, Queens Of The Stone Age und Fugazi bringen Brett auf ihrem Debütalbum „WutKitsch“ Stoner-Rock und Siebziger-Jahre-Einflüsse mit den deutschen Texten zu einer Art Neo-Krautrock zusammen. Der Albumtitel deutet übrigens darauf hin, dass Brett keine Angst haben, in den Texten – neben Wut natürlich – auch Gefühle zu zeigen.


KOMMENDE VERANSTALTUNGEN IN DER HEBEBÜHNE:

21.6. Wir waren Indie (Release-Konzert)

15.7. CKY

07.09. Balls To The Wall Fest

14.09. Alex Francis

Weitere Termine: www.die-hebebuehne.com

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