Clubkombinat Hamburg e.V.

Club-Asse: Michael Beckmann // Hafenbahnhof

In unserer Reihe „Club-Asse – Macher, Mucker & Moneten“ stellen wir euch regelmäßig die Köpfe hinter Hamburgs Musikclubs in einem Interview vor. Unser heutiges Club-Ass ist Michael Beckmann vom Hafenbahnhof.

Club-Ass: Michael Beckmann / Hafenbahnhof

Knappe sechs Busminuten mit der Linie 111/112 vom Altonaer Bahnhof entfernt, findet man, unterhalb des Straßenniveaus ein wenig tiefergelegt, den Hafenbahnhof. Der Name ist kein nostalgisches Wortspiel, denn in der Tat handelt es sich bei dem kleinen roten Backsteingebäude mit den grünen Fensterläden um ein etwa 100 Jahre altes Bürohäuschen der ehemaligen Altonaer Hafenbahn. Die alten Gleise auf der Großen Elbstraße sind heute noch erkennbar, das Gleisbett liegt direkt hinter dem Haus. Von hier aus führte durch den Schellfischtunnel die einzige unterirdische Güterbahnverbindung im Hamburger Raum zum Altonaer Bahnhof.

Vorm Hafenbahnhof laden Tische und Bänke bis in die frühen Morgenstunden zum Verweilen ein. Direkt gegenüber stehen die seelenlosen Columbia-Twins, der Blick auf die Elbe ist zubetoniert, krasser könnte der Kontrast kaum sein.

Der Hafenbahnhof wirkt inmitten dieser Skurrilität wie eine Reminiszenz an eine verlorene Zeit, urig, eigenwillig, unbeugsam. In den 80er Jahren diente das ehemalige Bürogebäude Bands als Übungsraum, um 2000 herum machte ein kleiner Kiosk hier eine Zwischenstation, jedoch erfolglos. Der Standort wurde dann 2005 von Michael Beckmann entdeckt und öffnete nach Sanierungsarbeiten und den üblichen Behördenproblemen als Hafenbahnhof seine Türen. Seitdem beherbergt er eine bunte Mischung aus Soul & Funk, Punk & Rock, Lesungen, Filmvorführungen, Partys und Poesie. Rituell finden sich im „Jazzraum“, der gerade sein 15-jähriges Jubiläum feierte, immer montags Freunde von Live-Jazz ein. Andere Konzerte finden häufig donnerstags statt, freitags sind DJs am Start und samstags kann der Laden für private Partys gemietet werden. Rauchen ist erlaubt – bis auf sonntags. Wen dann der Kaffeedurst aus dem Haus treibt, der wird hier mit selbstgebackenem Kuchen belohnt.

Der Hafenbahnhof bewegt sich irgendwo zwischen kultigem Trash, Industrieromantik und Sonntagswohnzimmer, zwischen Live-Club, Bar und Café – in jedem Fall ein gelungener Balanceakt!

Frage: „Wie wurdest du Clubbetreiber?“

Michael: „Totaler Zufall und der Wunsch nach Veränderung.“

Frage: „Welche Clubstationen hast du schon hinter dir?“

Michael: „Keine. Vor dem Hafenbahnhof hatte ich keine Gastroerfahrung.“

Frage: „Wie bist du zu diesem Club gekommen?“

Michael: „Das über 100 Jahre alte Gebäude des Hafenbahnhofs stand lange Zeit leer, bevor ich es an der Elbe entdeckte. Es kam so charmant rüber und daher entstand die Idee, etwas daraus machen zu wollen. Bis zur Anmietung gab es noch einige Hürden zu überwinden und durch die notwendige Komplettsanierung hat es dann noch einige Zeit bis zur Eröffnung gedauert.“

Frage: „Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus? Welche Aufgaben fallen bei dir an?“

Michael: „Leider immer wieder viel Papierkram und Mailverkehr und ansonsten natürlich Organisation – vom Münzgeld über Reparaturen im Laden bis hin zur Buchhaltung muss man alles im Auge behalten und ständig am Ball bleiben.“

Frage: „Was ist aktuell deine größte Sorge, deine größte Baustelle? Wo brennt es?“

Michael: „Ein etwas längerfristiger Mietvertrag wäre schön.“

Frage: „Was war mit dem Club dein kuriosestes Behördenerlebnis?“

Michael: „Der Vorschlag der Baubehörde 2008, den Hafenbahnhof abzureißen und nach der Niveauanhebung der Großen Elbstraße ein neues, im Baustil ähnliches Gebäude mit Platz für den Club 30 Meter weiter links zu errichten. Unsere Anfrage nach einem entsprechenden Umzugskostenzuschuss und einer räumlichen Übergangslösung für die geplante circa zweijährige Bauzeit wurde abgelehnt – scheinbar ohne dass bei der Behörde jemand auf die Idee gekommen wäre, dass mein Team und ich ja nicht einfach zwei Jahre Däumchen drehen und von Luft und Liebe leben können.“

Frage: „Warum tust du dir diesen Job eigentlich an?“

Michael: „2005 war es die Idee, einen entspannten Ort für die Leute im Viertel hinzubekommen und das versuche ich noch heute. Wenn die Leute dann Spaß am Feiern oder an der jeweiligen Veranstaltung haben, ist alles gut und man weiß wieder, warum man den Job weiterhin macht.“

Frage: „Welche Wirkung hat die Förderung durch den Live Concert Account auf den Hafenbahnhof?“

Michael: „Die Förderung durch den Live Concert Account ermöglicht erst die regelmäßigen Live-Veranstaltungen im Hafenbahnhof. Ohne diese Förderung könnte ich mir das vielfältige Live-Programm, welches jeden Monat stattfindet, schlicht nicht leisten.“

Frage: „Wie wirkt sich die Mitgliedschaft beim Clubkombinat Hamburg e.V. aus?“

Michael: „Da man als Clubbetreiber ständig mit Fragen zur korrekten Clubführung konfrontiert wird, ist das Clubkombinat eine große Hilfe beispielsweise bei Behördenangelegenheiten, GEMA-Abwicklung und Rechtsberatung.“

Frage: „Eine gute Fee sitzt eines Abends bei dir am Tresen. Was wäre dein dringlichster Wunsch?“

Michael: „Jeglichen behördlichen Papierkram vereinfachen und damit die Bürozeiten reduzieren – ach ja und natürliches besseres Wetter. Das wird doch wohl möglich sein?!“

Frage: „Worauf freust du dich in der kommenden Saison am meisten?“

Michael: „Auf besseres Wetter? Und am meisten natürlich auf viele tolle Konzerte, Veranstaltungsabende und Partynächte mit meinem langjährigen Team und unseren treuen Stammgästen und selbstverständlich sehr gerne auch guten neuen Leuten, die den Hafenbahnhof für sich entdecken.“

Frage: „Welches Konzert wirst du nie vergessen? Was war da los?“

Michael: „Das Konzert der „Wild Boogie Combo“ aus Nord-Frankreich. Jake Calypso und Terry Reilles, die mit unglaublicher Präsenz in ihrer Bühnenperformance den kompletten Laden gerockt haben, so dass die Betonung eher auf „Wild“ als auf „Boogie“ lag. Ein unvergesslicher Abend!“

Frage: „Welche Band, welcher Künstler, der kürzlich bei euch aufgetreten ist, hat das Zeug, um richtig durchzustarten?“

Michael: „The Sonic Dawn“

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