Chancen und Herausforderungen für den Club- und Veranstaltungsbetrieb
Die Clubkombinat AG Zukunft der LiveKultur lädt zu einem neuen Veranstaltungsformat und möchte dabei die Herausforderungen der Digitalität für Clubkultur in den Blick nehmen. Unter dem Titel »Nachtkultur Lab« bietet das Clubkombinat künftig ein regelmäßiges Austauschformat, das auf diese technologischen Entwicklungen reagiert. Dabei werden Arbeits- und Handlungsfelder der Club- und Nachtkultur unter die Lupe genommen, um Theorien, Konzepte und Instrumente kennenzulernen, zu verstehen, zu diskutieren — und Lösungen für bevorstehende Herausforderungen zu erarbeiten.
Das Austauschformat setzt hierfür zwei Ansätze ein: Beim »Wissenstransfer (Good Practice)« stehen praxiserprobte Lösungen und Tools mit dem Ziel Fach- und Erfahrungswissen auszutauschen im Fokus. Beim »Visions Lab« stehen eher theoretische Themen aus Forschung und Entwicklung auf der Agenda, die in Zukunft eine Rolle im Veranstaltungsbetrieb einnehmen könnten. Diese Themen wollen wir im Rahmen eines Future Think Tanks analysieren.
Da wir mit dem Lab-Format einen offenen kollegialen Diskurs anvisieren, in dem Raum für kritische Nachfragen und Handlungsimpulse sein soll, wird auf ein analoges Veranstaltungsformat gesetzt.
Der Auftakt findet am Montag, den 22. Juni um 17.30 Uhr (bis 19.00h) in der Markthalle statt.
Für den Start der Veranstaltungsreihe Labor der Nachtkultur »Wissenstransfer (Good Practice) Vol. 1« wird Christopher Schwarz als Impulsgeber vor Ort sein, der sein Erfahrungswissen aus den Prozessen für einen digitalen Clubbetrieb im Grüner Jäger berichtet. Hierbei wird er die Einführung eines CRM‑ und Ticketsystems vorstellen, die eine Automatisierung des Anfrage‑ und Angebotsprozesses verfolgte und die Reaktionszeit auf Anfragen von 3–7 Tagen auf unter 24 Stunden senken konnte.
Anmeldung nur für Mitglieder.
Die Veranstaltung ist für Mitglieder im Clubkombinat kostenfrei. Du bist bisher kein Mitglied im Clubkombinat, aber möchtest an einer geschlossenen Veranstaltung teilnehmen? Dann sprich uns einfach an: Die Ermöglichung von Teilnahme und Teilhabe an Diskursen ist uns ein Anliegen und wir werden uns dafür einsetzen, eine individuelle Lösung zu finden.
Clubs sind mehr als Orte des Feierns — sie entstehen durch soziale Praxis, sind Seismograf gesellschaftlicher Veränderung. Seit Jahrzehnten entstehen in diesen sozialen Räumen nicht nur Sounds und Subkulturen, sondern auch neue Formen des Miteinanders, des Widerstands und der kollektiven Imagination. Was auf Konzerten, Festivals und Raves erprobt wird, hallt oft weit in die Gesellschaft hinein: Queerness, Solidarität, Exzess als Befreiung, Nacht als Heterotopie.
Was Clubs dabei besonders macht, ist ihre strukturelle Durchlässigkeit. Gesellschaftlich verfestigte Strukturen verlieren in ihren Räumen an Selbstverständlichkeit. Das liegt nicht an Naivität, sondern an einer bewussten Gestaltung von Begegnung: Wenn Menschen unterschiedlichster Hintergründe auf engem Raum, im Rausch gemeinsamer Erfahrung, miteinander in Kontakt treten, entstehen Momente, in denen das Gewohnte verhandelbar wird. Clubkultur war und ist ein Ort, an dem Rassismus, Sexismus und heteronormative Selbstverständlichkeiten zuerst benannt, dann in Frage gestellt und schließlich aktiv umgestaltet werden. Nicht immer, nicht überall — aber mit einer Konsistenz, die kein Zufall ist. Austausch schafft Sichtbarkeit, Sichtbarkeit schafft Solidarität, Solidarität schafft Wandel. Darin liegt ein genuin demokratieförderndes Potenzial: Clubkultur ermöglicht gesellschaftliche Partizipation, erprobt Mitbestimmung als gelebte Praxis und gibt denjenigen Raum, die ihn andernorts nicht finden.
Digitalität hat einen Einfluss darauf, wie wir arbeiten, kommunizieren, konsumieren und uns organisieren — und auch, wie wir kulturelle Angebote wahrnehmen. Dabei wirft sie nicht nur technische, sondern auch politische Fragen auf: Welche Stimmen werden verstärkt? Welche Machtverhältnisse werden verändert, welche schreiben sich ein? Digitalität meint mehr als die Nutzung digitaler Technologien, sie beschreibt eine fundamentale Transformation von Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit, also wie Menschen Bedeutung herstellen und soziale Räume gestalten. Digitalität hat Institutionen, den Markt verändert und die Organisation sozialer Beziehungen verändert. Sie hat einen Einfluss darauf, wie Identitäten gebildet, Zugehörigkeiten verhandelt und Öffentlichkeiten hergestellt werden. Digitalisierte Technologie ist dabei nie neutral: Algorithmen reproduzieren und verstärken bestehende Ungleichheiten, Datensouveränität wird zur sozialen Frage, und die Chance auf digitale Partizipation entscheidet zunehmend über gesellschaftliche Teilnahme und Teilhabe insgesamt.
Künstliche Intelligenz (KI) als Produkt der Digitalisierung setzt digitale Infrastrukturen, Rechenkapazitäten und vor allem massive Datenmengen voraus. KI markiert jedoch eine Schwelle innerhalb der Digitalisierung: Denn während klassische Digitalisierung Prozesse abbildet und automatisiert, simuliert KI kognitive Leistungen – Mustererkennung, Sprachverarbeitung, Entscheidungsfindung. Das ist nicht mehr nur Digitalisierung im technischen Sinne, sondern eine neue Stufe: Systeme, die nicht nur ausführen, sondern in gewissem Maße generieren und inferieren. KI stellt damit die Frage, was menschliche Handlungsfähigkeit ausmacht, neu. Wenn Algorithmen kuratieren, moderieren, bewerten können, wie kann können sich das Club- und Kulturschaffende zunutze machen, um ihr eigenes System zu entlasten, Ressourcen zu sparen und ihre Energie neu ausrichten?
Gefördert wird dieses Reihe durch Projektmittel, die im Rahmen der FairTix-Initiative generiert wurden.





