Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit: OVE

Unter dem Motto „OVE auf Eis“ spielt ihr am 27. Februar im Knust euer Abschiedskonzert. Stimmt es, dass es für die ersten Besucher Eis gibt?

Ove Thomsen: (Lacht) Das stimmt, es wird Speiseeis geben! Wortspiele haben sich immer durch diese Band gezogen, für das letzte Konzert wollten wir das noch mal aufgreifen und einen schönen Satz finden. OVE auf Eis passte perfekt, weil wir die Band eben nicht auflösen, sondern einfrieren und eine Pause machen. Eigentlich wollten wir bei der Show ein eigenes Getränk auf Eis servieren, aber dann dachten wir so ein Eis im Februar könnte eine schöne Erfrischung sein.

Neben Eis versprecht ihr treue Weggefährten. Auf welche Gäste dürfen die Besucher sich freuen?

Wir laden Freunde ein, mit denen wir uns oft die Bühne geteilt haben und die wir über die Jahre liebgewonnen haben. Wir wollen den Abend aber zusammen erleben, das heißt wir werden keinen Support haben, sondern die Gäste werden sich durch das Programm ziehen. Denis Jaspersen von Herrenmagazin ist dabei, Albrecht Schrader, der ehemalige Leiter von Jan Böhmermanns Rundfunktanzorchester Ehrenfeld, und natürlich alte Weggefährten von der Band Torpus. Die Leute können sich auf die einige Überraschungen freuen – wir werden eigene Songs spielen, Cover und auch Stücke unserer Gäste.

Warum legt ihr OVE denn überhaupt auf Eis?

Wir haben in den letzten Jahren unsere ganze Zeit in die Band gesteckt – ich habe zwischendurch sogar vergessen zu studieren. Nicht, dass ich das bereuen würde, aber irgendwie drängte sich das Gefühl auf, dass man noch mal etwas Neues ausprobieren möchte. Ich habe große Lust in Richtung Literatur zu gehen, denn alles, was ich gerade schreibe, ist Prosa. Auch Musik für die Theaterbühne würde mich reizen. Und ich habe mit Denis Jaspersen gerade eine Kinderplatte gemacht, die dieses Jahr erscheint. Auch die anderen aus der Band haben Pläne, deswegen schien es ein guter Zeitpunkt, um eine Pause zu machen. Wir wollten aber unbedingt noch richtig tschüss sagen.

Zehn Jahre habt ihr zusammen Musik gemacht. Wo hattet ihr damals eure ersten Konzerte?

In der Makrele. Das war eine kleine Kneipe in der Talstraße, die es leider nicht mehr gibt. Sowohl mit OVE als auch mit Torpus hatten wir dort zeitweise eine „monatliche Liaison“ – so hieß das. Das war super schön. Es gab keinen Druck. Wer kam, der kam, und am Ende ging ein Hut rum. Wir hatten total Spaß, Sachen auszuprobieren. Zum Beispiel hatten wir einen Hut mit ganz vielen Schnipseln, aus dem das Publikum welche ziehen musste. Da standen Sachen drauf wie „kriegt einen Kuss während des Konzerts“ oder „darf die Einwegkamera verschießen“. Einer durfte mich während eines Liedes schminken, ein anderer mit mir tanzen. Das hatte etwas sehr Spielerisches und wir wussten nie, was passiert.

Was hat dieser Laden für euren Werdegang bedeutet?

Eine Menge. Wir haben da bestimmt 20 oder 30 Mal gespielt. Die haben uns quasi vom Beckenrand geschubst. Die Bühne war zwar nur zwei Quadratmeter groß und zehn Zentimeter hoch, aber es war eine Bühne. Diese Shows waren wichtig, um das nötige Selbstbewusstsein zu entwickeln. Erstmal steht ja die Frage im Raum: Möchte ich derjenige sein, der Menschen unterhält und zum Nachdenken anregt? Und die Antwort war ganz klar ja, für alle von uns. Neben der Makrele habe ich am Anfang noch viel bei Poetry Slams gespielt, als musikalischer Gast im ausverkauften Uebel & Gefährlich zum Beispiel. Vor so vielen Leuten spielt man als Newcomer ja sonst nicht. Kampf der Künste habe ich auch viel zu verdanken.

Wo trifft man dich heute?

Ich bin oft in der Großen Freiheit, im Grünspan oder im Docks. Ich vermisse die Hasenschaukel, muss ich sagen. Da bin ich früher gerne gewesen. Jenseits von Konzerten bin ich im Moment viel in Altona. Ich habe da zehn Jahre gewohnt und finde es gerade wieder total gut, da als Gast unterwegs zu sein. Ich habe da meine Inseln, so dass ich über die Gentrifizierung hinwegsehen kann. Das Mar y Sol in der Ottensener Hauptstraße zum Beispiel, oder das Café Tarifa hinter dem Mercado.

Was macht einen guten Laden aus?

Ich fühle mich in Läden wohl, in die jeder darf – außer Rassisten und Nazis natürlich. Offene, freie Club, wo man vielleicht auch ein bisschen wegen der Geschmackssicherheit hingeht, so wie im Molotow. Wenn man auf Indie steht, kann man sich ziemlich sicher sein, dass man da glücklich wird. Ansonsten kommt es einfach aufs Gesamtding an. Nehme ich dem Laden ab, was er sein will? Sind die Getränkepreise okay? Überhaupt finde ich es gut, wenn nicht nur auf die Zahlen geguckt wird, sondern man vielleicht auch ein Interesse hat, dass die Leute wiederkommen.

Wie würdest du die Hamburger Clublandschaft beschreiben?

Ich fühle mich hier eigentlich sehr aufgehoben – in Hinblick auf Genres und die Größen der Clubs nehme ich das als ein sehr großes Angebot wahr. Ich kann auch nicht sagen, dass mir ein Laden für 3.500 Leute fehlt. Wichtiger finde ich es, dass man die Läden, die es gibt, erhält. Leider habe ich das Gefühl, die Open Stages seien weniger geworden. Darauf könnte ein größerer Fokus gelegt werden, denn ich weiß selbst, wie schwer es für neue Bands ist, Shows zu bekommen.

Wenn du Kultursenator wärst, was würdest du ändern?

Generell kann man immer mehr dafür tun, um das Bewusstsein zu stärken, dass Leute Kunst erschaffen und das nicht umsonst ist. Man kann jede Platte umsonst streamen und das wirkt sich auch auf Konzerten aus. Vielleicht müsste man einen Fond einrichten, damit Bands bessere Gagen bekommen, Veranstalter ein kleineres Risiko tragen und es generell wieder attraktiver machen, auf Konzerte zu gehen – gerade die kleinen. Damit Bands nicht aufhören, überhaupt in den Proberaum zu gehen, weil sie nicht wissen wofür.

Mal angenommen, du dürftest in Hamburg ein eigenes Festival organisieren – wo würde es stattfinden und wen würdest du einladen?

Mein erster Einfall war gerade auf der Binnenalster, so dass Leute dahinschwimmen müssen. Keine Ahnung, wie sich das realisieren ließe, aber das wäre mal was anderes! Ich würde auf jeden Fall gerne ein deutschsprachiges Songwriter-Festival machen, ein Liebhaber-Festival. Die höchste Eisenbahn würde ich buchen, weil bei denen jedes Konzert eigen ist, und Dr. Dog – die habe ich nämlich noch nie live gesehen. Ich würde aber auch ganz viele Künstler mit einbinden. Also nicht nur Musiker, sondern Leute, die was basteln oder bauen. Ein kleines Öko-Hippie-Festival.

So lange das noch in der Mache ist – bei welchem Konzert würdest du im Februar gerne auf der Gästeliste stehen?

Bei Liam Gallagher am 5. Februar in der Sporthalle, weil ich das wirklich sehr geil fand, als er vor zwei Jahren Special Guest beim Reeperbahn Festival war. Und ich würde gerne zu Cäthe am 25. Februar in der Elbphilharmonie gehen. Ich fand sie schon immer sehr beeindruckend, weil sie so viel Temperament ausstrahlt.

Hast du noch ein letztes Wort an die Hamburger Clubgänger?

Vertraut auf eure Intuition! Zieht euch vorher nicht zu viel Musik von Künstlern rein, sondern traut euch einfach und geht auf Konzerte – das könnte euer Leben verändern.


ZUR BAND

Ove Thomsen zog 2008 von Nordfriesland nach Hamburg und begann auf Songwriter-Bühnen erste Soloauftritte zu spielen. So formierte sich schnell eine Band um ihn, die er Game Ove & die Spielfiguren nannte. 2013 erschien das erste Album „Ove, wenn & aber“, drei Jahre später nannte die Gruppe sich in OVE um. Ihr drittes Album ist im Februar 2019 bei Tapete Records erschienen. Neben OVE spielte Thomsen auch bei der Band Torpus & The Art Directors, die später nur noch Torpus hieß.

www.ove-kapelle.de


ZUR MUSIK

Aus dem Plan, ihr drittes Album in den Abruzzen aufnehmen, wurde zwar nichts, OVE nannten es aber trotzdem „Abruzzo“ – weil die Songs warm, mittelmeerig und aperol-spritzig klingen. Sixties-Referenzen mit Falsettchören treffen auf sanften Folk-Rock, Funk und Afrobeat-Gitarrenlicks. Dazu erzählt Ove Thomsen mit lyrischer Finesse von Aalverkäufern und Siri, Zweisamkeit und Familie.


OVE live

Datum: 27. Februar 2020 Ort: Knust

Einlass: 20 Uhr Beginn: 21 Uhr

Tickets: 16,75 Euro

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