Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit: Fettes Brot

In dem Stück „Deine Mama“ auf eurem neuen Album „Lovestory“ geht es um das Abschleppen im Club. Hast du einen Anmachspruch parat, der garantiert funktioniert?

König Boris: Gar nicht, null! Wenn ich die Formel gewusst hätte, wäre mir oft geholfen gewesen. Meiner Erfahrung nach sind Clubs in Wirklichkeit aber auch gar nicht so ein guter Ort, um jemanden kennenzulernen, wie alle immer denken.

Warum nicht?

Ich weiß nicht, irgendwie sind da alle auf der Suche. Die Leute sind auf dem Pirsch-Modus, und nicht auf dem Sich-einlassen- und Kennenlernen-Modus. In etwas ruhigeren Umgebungen, in Kneipen oder Bars, funktioniert das viel besser.

Kannst du dich noch an deinen ersten Club- oder Konzertbesuch erinnern?

Mein erstes Konzert war Die Ärzte im Stadtpark, die „Nach mir die Sintflut“-Tour 1988. Da hat mein Vater mich und ein paar Freunde noch hingefahren. Ich habe die Ärzte geliebt, das war also ein ganz großes Erlebnis für mich.

Mit welchem Laden verbindest du die meisten Erinnerungen?

Einer der prägendsten Läden war für mich das Lehmitz – da war es egal, wie alt man war. Da habe ich mit 16 mit meinen Freunden gesessen, Astra und Tequila getrunken und die Jukebox gefüttert. Das war für mich wildes Rock’n’Roll Leben. Wahlweise waren wir im Clochard. Dort gab es immer Schmalzbrote und so ein Nagelspiel, wo man mit so wenig Schlägen wie möglich Zimmermannnägel in einem Balken versenken musste. Wer verloren hat, musste die nächste Runde ausgeben.

Du warst also gar nicht in HipHop-Läden?

Die kamen erst später dazu. Sehr prägend war für uns als Band das Powerhouse. Das gibt es nicht mehr, das war in der Simon-von-Utrecht-Straße. Unser Freund und heutiger Manager Andre war da DJ und wir standen jeden Samstag als ‚Fettes Brot +10‘ auf der Gästeliste. Bo hat mich dann immer mit Mercedes seines Vaters abgeholt, wir haben alle eingesammelt und dann da gefeiert.

Wo trifft man dich heute?

Ich gehe gerne ins Uebel & Gefährlich, da sind oft schöne Veranstaltungen. Da ich auf der Ecke wohne, trifft man mich auch öfter in der Schanze. In Clubs gehe ich weniger, eher in Bars: Die Sünde in der Bernstorffstraße, die Toastbar, das Kurhaus oder den Nachthafen.

Was macht einen guten Laden aus? 

Die Leute, die da sind, sind sehr entscheidend. Außerdem die Musik, gute Getränke. Schön finde ich, wenn man mehr ist als nur Kunde. Wenn man das Gefühl hat, dass die Leute, die da arbeiten, sich freuen, wenn man da ist und man mal ein Wort miteinander wechselt. 

Wie würdest du die Hamburger Clublandschaft beschreiben? 

Ich kenne sie ja schon so lange und bin dran gewöhnt, aber wenn man von außen drauf guckt, wird in Hamburg schon sehr viel geboten. Von posh bis abgeranzt gibt es hier alles. Das wird von der Politik nicht immer genügend wertgeschätzt. Ich denke da zum Beispiel die Geschichte mit dem Otzenbunker, der dicht gemacht wurde, wo 120 Bands geprobt haben. So etwas ist für eine Stadt, die sich Musikhauptstadt nennt, ein Skandal.

Wenn du Kultursenator wärst, was würdest du ändern?

Ich würde mehr Wert auf kleinere Läden legen und nicht nur die Leuchtturmprojekte befeuern, und auf jeden Fall würde ich die Clubs stärken. Denn ich glaube es ist sehr schwierig, die am Leben zu halten. Durch die Kioske drum herum wird weniger konsumiert, man hat aber trotzdem die ganzen Kosten, die anstehen, wenn man Konzerte oder Partys organisiert. Ich würde mich außerdem bemühen, dass St. Pauli nicht zu einer rammschigen Amüsiermeile verkommt, sondern seinen gewachsenen Charme behält.

Ihr setzt euch mit Fettes Brot auch stark für die Initiative Viva La Bernie ein, die den Werkhof in der Bernstorffstraße 117 vor der Gentrifizierung schützen soll.

In dem Hinterhof leben und arbeiten über 100 Menschen. Seit 2004 befindet sich auch unser Bandstudio und Büro hier. Vor kurzem wurde der Werkhof dann von einem Investor gekauft und da gingen bei uns natürlich zu Recht die Alarmglocken an. Man weiß ja, wie das läuft auf St. Pauli: Abreißen, neu bauen und dann entstehen hier schicke Eigentumswohnungen. Das wollen wir auf jeden Fall verhindern. Unser Plan ist, den Hof zu kaufen. Das Geld haben wir schon zusammen und wir sind mittlerweile in konstruktiven Gesprächen.

Wenn euch der Kauf des Hofs gelingt, was hat das für Auswirkungen?

Da kann man nur fantasieren, aber ich schätze es werden sich dann einige Leute ein Beispiel daran nehmen – und vielleicht findet dann auch in der Politik ein Umdenken statt. Dass man nicht einfach alles dem Markt überlässt, sondern auch mal regulierend eingreifen muss. Dass die Stadt für alle da ist und dort nicht nur Leute leben können, die reich sind. Unser Ziel ist es, den Hof für immer dem Spekulationsmarkt zu entziehen. Wenn wir ihn kaufen können, wird er in eine Genossenschaft überführt. Vielleicht können wir damit ein Mut machendes Beispiel liefern, dass man sich mit Solidarität und gemeinschaftlicher Power nicht ganz so ohnmächtig gegenüber dem Geld fühlen muss.

Zurück zu Fettes Brot: Bevor ihr im Herbst auf große Tour geht, seid ihr im März mit eurem Buch „Was wollen wissen“ auf Sprechstunde. Was erwartet die Besucher?

Wir werden natürlich ein bisschen aus dem Buch vorlesen, aber hauptsächlich werden wir das Prinzip des Buches live umsetzen. Die Leute müssen am Eingang alle eine Frage abgeben und die besten Fragen besprechen wir dann während der Show. Wir haben das jeweils zum Staffelfinale unserer Radiosendung schon ein paar Mal ausprobiert und wissen daher, dass das live sehr gut funktioniert.

Bei welchem Konzert würdest du im März gerne auf der Gästeliste stehen?

Bei Funny van Dannen am 22. März in der Fabrik. Wir hatten früher mal eine Radiosendung bei Radio Fritz und da war er mal zu Gast – ein sehr netter Typ und ich mag, was er macht. Außerdem würde ich mir gerne Konstantin Wecker am 28. März in der Elbphilharmonie ansehen. Das ist zwar etwas völlig anderes als das, was wir machen, aber super emotional und wenn man sich drauf einlässt, ist das toll. Ich war ja noch nie in der Elbphilharmonie. Auch wenn ich überrascht bin, wie schnell vergessen wurde, was für ein Milliardengrab das Ding war – wenn das meine Elbphilharmonie-Entjungferung wäre, fänd‘ ich das gut.

Hast du noch ein letztes Wort an die Hamburger Clubgänger?

Seid friedlich und genießt den Abend!


ZUR BAND

1992 gegründet, veröffentlichten Fettes Brot wenig später ihre erste EP „Mitschnacker“. Der kommerzielle Erfolg stellte sich Mitte der Neunziger mit der Single „Nordisch by Nature“ und dem dazugehörigen Album „Auf einem Auge blöd“ ein. Den humorvollen Texten und der Gewohnheit, die Strophen oft untereinander aufzuteilen, sind König Boris, Dokter Renz und Björn Beton bis heute treu geblieben. Über die Jahre veröffentlichten Fettes Brot acht Alben, probierten sich an Hörspielproduktionen aus und kooperierten mit so unterschiedlichen Künstlern wie James Last und Modeselektor.


ZUR MUSIK / ZUM BUCH

Fettes Brot Lovestory Album  

Das neunte Fettes-Brot-Album „Lovestory” erscheint am 5. April und widmet sich ganz dem Thema Liebe: Zu abwechslungsreichen und verspielten Beats rappen die drei unter anderem über homosexuelle Opas („Opa + Opa“), einen Flirt im Club („Deine Mama“), künstliche Intelligenz („Robot Girl“), Entfremdung („Du driftest nach rechts“) und tierische Liebe („Geile Biester“). Bereits im Februar erschien beim Rohwolt Verlag ihr Buch „Was wollen wissen“. Es basiert auf der gleichnamigen Radioshow, die immer dienstags um 22 Uhr auf N-JOY und Bremen 4 läuft und in der Fettes Brot die Fragen ihrer Hörer beantworten.


FETTES BROT live

Was wollen wissen Sprechstunde:

Datum: 25. März 2019 Ort: Knust

Einlass: 19 Uhr Beginn: 20 Uhr

Tickets: ausverkauft

Lovestory-Tour:

Datum: 8. November 2019 Ort: Barclaycard Arena

Einlass: 18 Uhr Beginn: 20 Uhr

Tickets: ab 44,30 Euro

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