Clubbilanz 2024 – 2025


Club-Bilanz 2024/2025:
Stabilisierung unter Vorbehalt

Die Club-Bilanz 2024/2025 weist mit +6 Neugründungen und -7 Schließungen erstmals seit mehreren Erhebungszyklen wieder eine nahezu ausgeglichene Entwicklung auf – dennoch bleibt die Gesamtbilanz mit einem leichten Minus von -1 negativ. Nach dem deutlichen Rückgang der Vorperiode (2022/2023: -6) deutet sich damit eine strukturelle Konsolidierung an, jedoch ohne echte Trendwende.

Die Hamburger Clublandschaft bewegt sich weiterhin in einem Spannungsfeld aus Gründungsdynamik, Standortverlusten und wirtschaftlichem Druck. Quantitative Annäherung an eine schwarze Null bedeutet jedoch nicht automatisch strukturelle Entwarnung – vielmehr verdichtet sich das Bild einer Szene, die ihre Verluste verlangsamt, aber nicht vollständig kompensiert.

Übersicht: Veränderungen in der Hamburger Clublandschaft 2024/2025

Die Szene verzeichnete mit 5 Umzügen weitere Bewegungen, die die Gesamtbilanz jedoch nicht beeinflussen:

Standortverlagerungen (Umzüge)

  • Molotow (Standortwechsel nach Kündigung am Nobistor)
  • Beat Boutique (Standortwechsel mit Baubeginn an der Sternbrücke)
  • Fundbureau (Standortwechsel mit Baubeginn an der Sternbrücke)
  • Nancy Tilitz Gallery (Umzug innerhalb des Dammtor-Bahnhofs aufgrund von Sanierungsarbeiten der Deutschen Bahn)
  • PAL/NFSC (Nach dem Ende zum 01.01.2024 in der Karolinenstr erfolgte ein Zwischenstopp am Dammtor, bevor eine weitere Zwischennutzung in Hammerbrook gefunden wurde)

Insgesamt sind zwei Wechsel in der Betreiberschaft zu verzeichnen, die einen Fortbestand der Musikspielstätten vorerst sichert:

Betreiberwechsel
  • Ehemals Headcrash → jetzt BETTY
  • Frau Holle

I. Einordnung der Entwicklungen in den Jahren 2024/2025

Positive Dynamik bei Neugründungen

Mit sechs Neugründungen erreicht Hamburg erstmals seit mehreren Erhebungsperioden (2016/2017) wieder einen deutlichen Zuwachs an neuen Musikspielstätten. 

U.a. der Nica Jazz Club und die Georg-Elser-Halle erweitern das infrastrukturelle Angebot um größere bzw. bandorientierte Formate.

Struktureller Mangel an erschwinglichen Räumen  bleibt prägend

Trotz relativer Stabilisierungstendenz zeigen die sieben Schließungen (Astra Stube, Waagenbau, moondoo, Lehmitz, Belami, Bar 227, Häkken), dass etablierte Institutionen weiterhin vulnerabel sind. Ursachen reichen von städtebaulichen Umstrukturierungen über wirtschaftlichen Druck bis hin zu langfristigen Standortunsicherheiten.

Insbesondere der Sternbrücken-Umbau wirkt weiterhin nach – selbst bei erfolgreichen Umzügen bleibt der aktuelle Verlust gewachsener Kulturorte (Astra Stube, Bar 227 und Waagenbau) ein struktureller Einschnitt.

Mobilität statt Stabilität

Fünf Umzüge innerhalb von zwei Jahren verdeutlichen: Kontinuität am Standort ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Clubs operieren zunehmend in prekären Mietverhältnissen oder projektbasierten Zwischennutzungen. Besonders hervorzuheben ist, dass mit Fundbureau und Beat Boutique zwei zuvor vom Sternbrücken-Areal verdrängte Spielstätten dank städtischer Einflussnahme neue Perspektiven entwickeln konnten.

Der Fall Molotow steht exemplarisch für die anhaltende Problematik kurzfristiger Kündigungen bei gleichzeitig fehlenden Ersatzflächen. Die Insolvenz der Lindner Hotel Gruppe lässt einen baldigen Neubau am ehemaligen Molotow-Standort am Nobistor fraglich erscheinen.

Rettungen durch Community und Umstrukturierungen

Die Crowdfunding-Kampagnen von Hafenklang und Südpol sowie die Intervention beim Schanzenzelt belegen die wachsende Bedeutung zivilgesellschaftlicher Unterstützung.

Diese Rettungseinsätze zeigen einerseits eine hohe Identifikation des Publikums mit der Clubkultur, andererseits verdeutlichen sie strukturelle Finanzierungsdefizite im laufenden Betrieb.
Vielfach sichern die Betreibenden das Überleben der Orte, indem sie die inhaltliche Programmatik ändern und vermehrt private Vermietungen gegen öffentliche Veranstaltungen eintauschen.

Fazit

Die Club-Bilanz 2024/2025 steht für eine Phase der relativen Stabilisierung – jedoch auf fragiler Grundlage. Das Minus von -1 signalisiert zwar eine deutliche Abschwächung des zuvor beschleunigten Strukturverlustes, bleibt aber rechnerisch weiterhin ein Negativwert. Die Szene verliert also langsamer, gewinnt jedoch noch nicht nachhaltig hinzu.

Die Kombination aus sieben Schließungen und sechs Neugründungen verdeutlicht: Neue Impulse finden statt, ersetzen jedoch nicht automatisch gewachsene Strukturen, Milieus und Publika. Parallel verschärfen rückläufige Besuchendenzahlen, steigende Miet- & Betriebskosten, Flächenkonkurrenz und regulatorische Anforderungen den ökonomischen Druck.

Gleichzeitig zeigen die ausgeweitete Clubförderung, neue kulturpolitische Instrumente und die hohe zivilgesellschaftliche Mobilisierung, dass die Relevanz der Clubkultur politisch und gesellschaftlich anerkannt ist. Entscheidend wird sein, ob aus dieser Anerkennung dauerhafte strukturelle Absicherung entsteht.

Die Saison 2024/2025 markiert somit keinen Wendepunkt, sondern eine Übergangsphase: Der Abwärtstrend wurde nahezu gestoppt – doch aus einem gebremsten Rückgang muss erst noch eine belastbare Wachstums- oder zumindest Stabilitätsstrategie werden. Die nächste Erhebung 2026/2027 wird zeigen, ob Hamburgs Clublandschaft den Schritt von der Krisenverwaltung in eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung vollziehen kann.


II. Gesamtbilanz seit 2014

Seit dem Start der Erhebung im Jahr 2014 verzeichnet die Gesamtbilanz nach Ablauf der sechsten Zwei-Jahres-Erhebung einen Verlust von insgesamt neun Musikspielstätten (indoor). Bei geschätzten 120 Musikspielstätten (2014) ist dies ein Rückgang von rund elf Prozent.


Thore Debor, Geschäftsführer Clubkombinat Hamburg e.V. resümiert:

„Die Club-Bilanz 2024/2025 zeigt ein differenziertes Bild: Mit sechs Neugründungen und sieben Schließungen liegt die Gesamtentwicklung bei -1. Das ist eine deutliche Verlangsamung des Strukturverlustes gegenüber der Vorperiode (-6), aber eben noch keine echte Trendwende.

Wir sehen einerseits eine bemerkenswerte Gründungsdynamik und enorme Innovationskraft innerhalb der Szene. Neue Orte entstehen, neue Konzepte werden erprobt, und viele Akteur:innen investieren trotz hoher Risiken in Livemusik und Nachtkultur. Andererseits stehen die Schließungen – darunter prägende Institutionen wie Astra Stube, Waagenbau, und moondoo – für einen fortgesetzten Substanzverlust, der sich nicht allein quantitativ messen lässt. Mit jedem dieser Orte verschwinden gewachsene Netzwerke, Szenen und kulturelle Identität.

Besorgniserregend bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Rückläufige Besuchendenzahlen, stark gestiegene Miet-, Energie- und Personalkosten sowie Unsicherheiten durch Rückforderungen von Corona-Hilfen erzeugen einen anhaltenden Konsolidierungsdruck. Dass ein Drittel der Clubs sich in ihrer Existenz bedroht sieht, unterstreicht die strukturelle Fragilität des Systems.

Gleichzeitig erkennen wir positive Signale: Die deutliche Aufstockung der Hamburger Clubförderung, neue Governance-Instrumente wie der Runde Tisch „Nachtleben & Nachbarschaft“ sowie bundesweite Initiativen zur Stabilisierung der Livemusikbranche, wie den Live Music Fund Germany zeigen, dass die kulturpolitische Bedeutung von Clubs zunehmend anerkannt wird.

Clubs sind keine Randerscheinung urbaner Freizeitgestaltung, sondern zentrale Kulturorte,  soziale Räume und Wirtschaftsfaktoren. Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, um diese Funktion auch künftig erfüllen zu können.“

Seit dem Beginn der Erhebung mussten u.a. diese Musikspielstätten ihre Türen schließen:

Cobra Bar, Hasenschaukel, Kraniche, Wasserschaden, Music Club Live, Villa Nova, Kurhotel, klubsen, Zwick Altona, Fat Lenny´s, Golem, Kleiner Donner, Rock Café St. Pauli, Helter Skelter, Fitzgerald, Moin, BarRock, Kogge, Lüttje Lüüd, Good Old Days, Moloch/Anderswelt, Landgang, Tisch und Stuhl, Mobile Blues Club, Souledge, Kulturwerkstatt Hamburg, Terrace Hill, Turtur, Daniela Bar, Yoko, Downtown Bluesclub, Club!Heim, Belami, Astra Stube, moondoo, Lehmitz, Bar 227, Häkken und Waagenbau.

Hintergrund zur Erhebung:

Bei fast jeder Clubschließung oder Unterbrechung grassiert schnell der Begriff “Clubsterben” durch die Presse. Für einen möglichst faktenbasierten Diskurs erhebt das Clubkombinat Hamburg seit 2014 kontinuierlich die Entwicklungen in der Hamburger Clublandschaft (siehe auch Pressemeldungen) und zieht alle 24 Monate ein Fazit.

Diese Form der Bilanzierung bildet jedoch nur einen Ausschnitt der Szenerie ab. Die enorme Anzahl an Musikclubs sowie die Vitalität der Aktivitäten in dieser Szene lassen sich nur äußerst schwierig in ihrer Gesamtheit erfassen. Die Ausführungen konzentrieren sich auf die wichtigsten Ereignisse der Clubszene und erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. In der Erhebung werden keine Open Air Veranstaltungsflächen erfasst.


III. Die Herausforderungen der Clubszene in der Saison 2024/2025

In der Saison 2024/2025 stand die Club‑ und Livemusikszene Hamburgs vor tiefgreifenden strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

Immer noch wirken die Folgen der Corona-Pandemie nach: Da die Fristen für Schlussabrechnungen der Überbrückungs-, November- und Dezemberhilfen im August 2023 bis zum 31. März 2024 verlängert wurden, sind weiterhin vielfach Unklarheiten über etwaige Rückforderungen die Folge. Auch 2026 gehen noch Bescheide ein, die die Corona-Hilfsleistungen als „Billigkeitsleistung“ des Staates zurückfordern, weil sie auf Kulanz beruhen und nicht auf einem rechtlich einklagbaren Anspruch. Es handelt sich also nicht um klassische, gesetzlich garantierte Leistungen wie etwa Arbeitslosengeld oder Renten, sondern um unternehmerische Unterstützungen, die der Staat freiwillig und aus Gründen der Fairness bzw. des öffentlichen Interesses gewährt. Die befürchtete Club-Schließungswelle  ist vorerst jedoch ausgeblieben – auch dank reger Resonanz einiger Crowdfunding-Aktionen.

Das Ausgehverhalten entwickelte sich weiter bedrohlich: Laut dem Club- & Festival‑Monitoring 2025 kämpften viele Musikspielstätten weiterhin mit rückläufigen Besucherzahlen und hohen Verlusten: Zwar hatte sich der Rückgang bei Besuchenden im Vergleich zum Vorjahr etwas abgeschwächt, verblieb aber mit etwa −7,9 % im Jahresvergleich spürbar. Parallel sank der Gesamtumsatz im Clubbetrieb, und viele Betreibende schreiben trotz stabilisierter Veranstaltungen weiterhin Verluste – echte Gewinne sind kaum möglich, das Personal ist weitestgehend prekär beschäftigt und Rücklagenbildung  findet nicht statt. Ein Drittel der Clubs gab an, sich aktuell in ihrer Existenz bedroht zu sehen, und fast jeder fünfte Betreiber erwägte, den Betrieb in den kommenden zwölf Monaten aufzugeben. Dies zeigte einen anhaltenden wirtschaftlichen Druck, der die Szene auch jenseits der Pandemie überfordert.

Die GEMA veröffentlichte im Dezember 2024 in der Reihe „Song Economy“ einen neuen Report, der einen differenzierten Blick auf das Konzertjahr 2023 erlaubte und aufzeigte, dass die vielen kleinen Konzerte nach wie vor das Rückgrat der deutschen Musiklandschaft und somit den Humus für das Ökosystem bilden.


Das Clubkombinat setzte sich in den Jahren 2024/2025 weiterhin für verbesserte Rahmenbedingungen für die Live-Musik in Hamburg ein. Hier ein Auszug zu den öffentlichen Verbandaktivitäten: 

2024 wurde vom Club-Verband die Öffentlichkeits-Kampagne „MEHR LIVE, MEHR LIFE“ gestartet, die auf eine Aktivierung der Club-Besuchenden abzielte. In dem Projekt enthalten war auch eine Überarbeitung der Clubplan App, die die Veranstaltungen aller Verbandsmitglieder genreübergreifend bündelt und mit der digitalen Sicht- und Auffindbarkeit von Club‑Terminen für lokale und externe Besuchende – einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Club‑ und Livemusikkultur in Hamburg liefert. Im April 2024 fanden dann zum ersten Mal die Clubwochen statt, die an frühere Aktionen für einen Tag der offenen Clubtür anknüpften.

Mitte Februar 2024 führte das Clubkombinat unter seinen Mitgliedern eine Umfrage zur Einschätzung der aktuellen Lage durch. Im Vergleich zu der Phase vor der Pandemie (Bezugsjahr 2019) wurde festgestellt, dass der Gesamtumsatz im Durchschnitt um minus 7% sank. Die Besuchendenzahlen sackten im selben Vergleich um 13% ab, während der Getränkeumsatz um 9% schrumpft. Als größte Herausforderungen werteten die Befragten mit 81% allgemeine Kostensteigerungen, gefolgt von Personalausfällen (51%) und finanziellen Schwierigkeiten (46%). 8% erwägen eine Betriebsaufgabe in den nächsten 12 Monaten.

Im April 2024 konnte ein Durchbruch an einem ordnungspolitischen Rahmen für Clubs erzielt werden: Nach schwierigen Gesprächen konnten Lockerungen bei den Regelungen zum Tanzverbot an den Ostertagen eine Reduktion der “stillen Zeit” (von 24 Stunden) um insgesamt 5 Stunden auf verbleibende 19 Stunden erzielt werden. Das Tanzverbot gilt nur noch von 5.00 Uhr am Karfreitagmorgen bis Mitternacht.

Der Club-Soli-Drink Good Energy, den das Clubkombinat in Zusammenarbeit mit Voelkel vertreibt, ist seit Mai 2024 deutschlandweit in 320 Denns Bio-Märkten erhältlich.

Mitte 2023 startete der Future Fonds, der jährlich 70.000 Euro für ein Nachhaltigkeitsprogramm bereitstellt. Bis Ende 2024 wurden darüber sechs Club-Stipendien und die Finanzierung einer Nachhaltigkeitsbeauftragten realisiert. Für die Jahre 2025/2026 wurde das Programm leicht angepasst, um projektbasierte Sprint-Stipendien mit bis zu 1.000 Euro monatlich zu fördern.

Mittels zweier Infrastrukturförderungen der Initiative Musik für ein Bundesprogramm konnte das Projekt „to be aware“ gestartet und intensiviert werden. Erstmals setzte das Clubkombinat mit einem Weiterbildungs- und Vernetzungsprogramm eine Pilotschulungsphase auf und initiierte eine empirische Forschung. Im Rahmen des bundesweiten Fachaustauschs zum Thema “Awareness im Nachtleben” im Jupiter wurden die Ergebnisse besprochen, Good Practices ausgetauscht und Akteur:innen aus Clubkultur und Awareness-Arbeit vernetzt. Eine Berichterstattung (siehe u.a. NDR (ab Min. 16:56) transportierte diese Aktivitäten in die Öffentlichkeit. Zwei weitere Roundtable-Veranstaltungen rundeten die Aktivitäten zu diesem Thema ab. Seit Herbst 2025 findet der Stammtisch “Awareness im Nachtleben” (immer am zweiten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr) statt. Die AG Awareness & Teilhabe veröffentlichte Handlungsempfehlungen für Awareness auf Veranstaltungen.

Bei der Hamburger Infrastrukturförderung – dem Live Concert Account – konnte ab 2024 eine Reform vollzogen werden. Bei der Vergabe der Fördergelder bilden von nun an die räumliche Größe des Clubs (Personenkapazität mit einer fließenden Größenwertung) und die anerkennungsfähige Konzertanzahl des Vorjahres die entscheidenden Parameter. Die individuellen Wertungspunkte führen dann im Verhältnis zur Gesamtanzahl der Bemessungspunkte zum Ergebnis.

2024 bildeten insgesamt 19.870 Punkte die Verteilungsgrundlage der insgesamt zur Verfügung stehenden Fördermittel in Höhe von 336.770 €. 56 Antragsstellende konnten 5.111 kuratierte Veranstaltungen vorweisen. Die durchschnittliche Konzertförderung (Wert schwankt je nach Größenstufe) lag in diesem Jahr zwischen 42,37 € und 169,485 €. Im Durchschnitt lag die Club-Förderung damit bei 65,89 € pro Konzert.

Nach zahlreichen politischen Gesprächen konnte für den Haushalt 2025/2026 eine knappe Verdreifachung der Mittel für die Hamburger Club-Förderung erzielt werden. 2025 lag die ausschüttbare Fördersumme bei 787.620 €, die sich bei 54 bewilligungsfähigen Anträgen auf 5.016 Konzerte und 20.421 Wertungspunkte aufteilte. Die Fördersummen variierten zwischen 115,71 € und 309,41 € und ergaben somit einen Durchschnitt von 157,02 € pro Konzert.

Bei der Preisverleihung vom Applaus Award 2024 in Rostock gingen fünf Auszeichnungen nach Hamburg: Beste kleine Spielstätte und Konzertreihen: FatJazz urban exchange, Jazz Federation, JazzTracks in der Halle 424; Beste Livemusikspielstätte: Molotow und Beste Livemusikprogramme: Uebel & Gefährlich. Beim Applaus 2025 in München konnten sieben Preise in Hamburg Wirkung entfalten: Das BEEK, die Hebebühne, die Jazz Federation, der JAZZRAUM, JazzTracks424, die MS Stubnitz und der Nochtspeicher wurden für ihre herausragende Programmgestaltung, kulturelle Bedeutung und gesellschaftliches Engagement im Bereich der Livemusik ausgezeichnet.

Für den Musikstadtfonds 2025 haben u.a. FatJazz, Südpol, MS Stubnitz, Hamburg Konzerte, Tonali, Aalhaus, Pop up, ColdColdNorth, Gängeviertel und Jazz Federation erfolgreich die Antragstellung und die Jury-Auswahl bewältigt. Bei den Entscheidungen für das Förderjahr 2026 Programm konnten Südpol, Fatjazz urban exchange, MS Stubnitz, SLOT, Jazz Federation Hamburg, Hebebühne, Kulturhaus 73, Hanseplatte, der Golden Pudel Club und das Gängeviertel überzeugen.

Im April 2024 beschloss die Bezirksversammlung Mitte die Einführung einer Vorkaufsrechtsverordnung für Teilbereiche von St. Pauli, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern und die soziale Mischung zu erhalten. Diese Maßnahme ermöglicht der Stadt Hamburg, bei Grundstücksverkäufen in festgelegten Gebieten in den Kaufvertrag einzutreten, um die Immobilien für die öffentliche Hand oder Genossenschaften zu sichern. Die Verordnung ist Teil städtebaulicher Erhaltungsverordnungen, die der Gentrifizierung entgegenwirken solle. Das Hamburger Abendblatt titelte dazu: „Clubsterben: So will der Bezirk Mitte die Kiez-Kultur retten“.

Nach langer Vorarbeit erfolgte im Mai 2024 der Startschuss zum Runden Tisch „Nachtleben & Nachbarschaft“mit einer Auftaktsitzung des Lenkungskreises, in dem auch das Clubkombinat vertreten ist. Zur zweiten Sitzung hat die AG KulturFlächen ein Papier (Titel: „Matrix für (mehr) Kulturraumschutz auf Landes- und Bezirksebene“) verfasst und in den Prozess eingespeist.

Seit 2024 etablierte der Bezirk Mitte für einen Teilbereich von St. Pauli mit einem Konzept eines  Nachtbeauftragten zusätzliche Governance-Strukturen mit einem Fokus auf Beschwerdemanagement.

Mit der Kampagne MORGEN SCHON WAS VOR? konnte die Zusammenarbeit mit dem Reeperbahn Festival fortgeführt werden und ein Projekt mit bundesweiter Ausstrahlung gestartet werden.

In 2024 wurden auch erstmals über Hamburg Tourismus (HHT) Mittel aus der Kultur- und Tourismustaxe für die Umsetzung der Kulturtourismusstrategie (Drucksache 22/14072) eingesetzt. Das „Ziel der HHT ist es, Clubs und deren Livemusik-Angebote auch in anderen Quartieren – abseits der Szene rund um die Reeperbahn – mehr Sichtbarkeit zu verschaffen“. Dabei wurde u.a. die Landing-Page neu gestaltet.

Am 31. August 2024 fand der zweite große DemoraveHH mit 7.100 Teilnehmenden (NDR-Beitrag) statt, den das Clubkombinat mit 2.500 € aus Spendengeldern unterstützte.

Das zweite Club- & Festivals-Monitoring verzeichnete im September 2024 eine erfreulich hohe Rücklaufquote und die Berichterstattung zur Lage der Clubkultur war relativ umfangreich. Siehe dazu u.a. ZDF und/oder auch das Presse-Clipping im clubsAREculture Newsletter Nr. 8.


Zum Start des Jahres 2025 realisierte die Clubstiftung im Januar erstmals mit dem Mini-Booster eine Kleinstclubförderung, bei der Clubs bis zu einer Kapazität von 100 Personen mit sehr geringem Aufwand pauschal 2.000 € Förderung beantragen konnten.

Im Februar wurde vom Senat die Große Anfrage zur Kulturelle Stadtentwicklung: 15 Jahre „Kreative Stadt“ veröffentlicht und zeigte einige Handlungsfelder auf. 


Im März wurde über die LiveKomm mit dem dritten Club-Monitoring ein frisches Zahlenwerk zur Lage der Clubs im Frühjahr 2025 vorgelegt, das dank eines hohen Rücklaufs in Hamburg eine Eigenauswertung begünstigte. Die Angaben der Teilnehmenden dokumentierten, dass der Rückgang an Besuchenden im Vergleich zu vor einem Jahr an Dynamik verliert. Während der Wert im Februar 2024 bei -13% lag, ist bei den Musikclubs aktuell ein Rückgang von -7,9% zu verzeichnen. Im Vergleich zum Bundesschnitt (-5,0%) erscheint die Belastung durch die rückläufige Besuchendenanzahl in Hamburg jedoch noch ausgeprägt(er).

Zur Bewältigung der angespannten Lage entwickelten viele Clubs und Initiativen weiterhin etliche kreative und alternative Formate. Die vom Clubkombinat initiierte Aktionswoche „Club mal anders“ demonstrierte im Mai 2025, wie Clubs mit experimentellen Veranstaltungs‑ und Programmideen neue Publikumssegmente erschließen sowie die Wahrnehmung und Nutzung von Clubkultur erweitern können. Dabei reichten die Angebote von DJ‑Workshops über Rave‑Formate mit Panel‑Talks bis zu interaktiven Konzepten – ein deutliches Zeichen für die Anpassungsfähigkeit der Szene. Diese Aktion konnte dank einer erfolgreichen Antragstellung bei der Initiative Musik und zusätzlicher Förderungen durch die Behörde für Kultur und Medien und der Clubstiftung konzipiert und umgesetzt werden.

Die Verbands-Aktivitäten zur Bürgerschaftswahl 2025 umfassten unter anderem die Abfrage von Wahlprüfsteinen und die Ansetzung eines Club-Politik-Talk am 04. Februar 2025 im Fundbureau. Die Ergebnisse der Bemühungen um Berücksichtigung der Club- und Livekultur lassen sich im Koalitionsvertrag von SPD und GRÜNEN wiederfinden. Dort wurde von den Koalitionären unter anderem festgehalten, dass „die bestehende Clubförderung aufgestockt und weiterentwickelt“ werden soll. Zudem sind „Maßnahmen, die den Schallschutz unterstützen und ihre Umsetzung vereinfachen“, vorgesehen. Der „Future Fonds soll fortgeführt werden“ und die Entwicklung von Konzepten für ein sicheres Nachtleben wird unterstützt. Zudem sollen „vereinfachte Genehmigungsverfahren für nichtkommerzielle Musik- und Tanzveranstaltungen“ und der „Erhalt und die neue Entwicklung von Kulturflächen in der Stadtentwicklung“ soll strukturell berücksichtigt werden. Insgesamt ein solides Fundament. Jetzt müssten den verfassten Worten weiter Taten folgen. 

Mit der Gründung des Landesnetzwerks Live SH am 29. April 2025 in Kiel mit 16 Gründungsmitgliedern erfolgte ein Meilenstein, der jahrelanges Engagement des Clubkombinats und der LiveKomm vollendet und die Verbandsstrukturen in den Nachbarländern vervollständigt.


Das Clubkombinat Hamburg e.V. startet am 19. Juni 2025 mit tba — to be aware das neue Pilotprojekt wtf — what the fear.
wtf — what the fear will Bewusstsein schaffen, Erfahrungen aufnehmen, in Dialog treten, selbstermächtigend wirken und letztendlich Lösungsansätze für besseren Gewaltschutz und die Unterstützung von Betroffenen herausarbeiten. Ziel ist es, Livekulturerlebnisse für alle zu ermöglichen und dabei sicher zu gestalten. Ein gläserner Container am Spielbudenplatz wurde donnerstags bis sonntags in den Abendstunden zum Anlaufpunkt für Informationen, lieferte Anreize und Möglichkeiten für Selbstreflexion und einen direkten Erfahrungsaustausch. Über eine speziell eingerichtete Meldestelle werden weiterhin anonym Informationen über Fälle von Diskriminierung und Gewalt für künftige Strategieprozesse gewonnen. Über dieses Projekt konnte die Zusammenarbeit mit Organisationen und Behörden verstärkt und Netzwerke ausgebaut werden. U.a. berichtete der NDR .

Die Bundesförderung für Investitionsbedarfe in die technische Ausstattung „PlugIn – 2. Runde“ erreichte bundesweit 154 Musikclubs. Daraus wurden auch zwölf Clubs in Hamburg gefördert: Aalhaus, Birdland, Fabrique im Gängeviertel, Freundlich+Kompetent, Fundbureau, Hafenbahnhof, Markthalle, Mojo Club, Monkeys Music Club, Nochtspeicher, Pony Bar, Uebel & Gefährlich. 

Der dritte DemoraveHH fand am 30. August 2025 statt und verzeichnete laut Presseangaben fast 4.000 Teilnehmende.

Im August 2025 veranstaltet das Clubkombinat das erste Booker:innen-Treffen, das einen Austausch für die Programmmacher:innen in Hamburg gewährleistet.

Im Rahmen des Reeperbahn Festivals widmete sich die ZEIT Hamburg in ihrem Elbvertiefung-Pocast der Club-Landschaft unter dem Titel „Hamburgs legendäre Musikclubs – sind sie zu retten?“. Bei der diesjährigen Ausgabe des Branchentreffens fiel auch die Ankündigung zum Startschuss des Live Music Fund Germany, des strukturellen Solidaritätsmodells der Live-Branche. Hierzu berichteten u.a. die Tagesschau (Musikbranche unter Druck: Hilfsfonds für kleine Konzerte) und das ZDF Heute Journal (ab min. 26:00).

Zur Veröffentlichung der ersten bundesweiten Festivalstudie berichtete u.a. ZDF Wiso (ab Min. 36:00).

Laut den GEMA-Zahlen aus der Song Economy zum Konzertjahr 2024 belegte Hamburg in den TOP-10-Konzertstädten 2024 den zweiten Platz mit 9.353 verzeichneten Konzerten (hinter Berlin mit 18.903 Konzerten). Die Anzahl der Besucher:innen lag 2024 bei 3.580.332. Die kleinen Konzerte 2024 (bis 500 Besucher:innen) verzeichneten einen Rückgang von -6% (gegenüber 2019).

Bei den clubaward‑Verleihungen 2024 und 2025 wurden nicht nur die vielfältige musikalische Landschaft der Stadt gefeiert, sondern auch das Engagement kleinerer Clubs und die Förderung von Nachwuchskünstler:innen gewürdigt – ein Signal dafür, dass kulturelle Vielfalt und Teilhabe weiterhin als relevante Faktoren der Hamburger Identität wahrgenommen werden.


V. in Streifzug durch die Hamburger Clublandschaft – Was hat sich 2024/2025 konkret verändert?

Hier werden die oben skizzierten Schließungen noch etwas ausführlicher gewürdigt:

Astra Stube

Die Astra Stube war ein kleiner, subkultureller Club und Veranstaltungsort im Umfeld der Sternbrücke im Hamburger Stadtteil Altona. Unter der Eisenbahnbrücke gelegen, bot der Raum ein alternatives Programm mit vielen Konzerten kleinerer Live-Acts und mit Partys.
Aufgrund dieser Nachwuchsarbeit erhielt der Club mehrfach den clubaward für die beste Newcomer:innen-Förderung. 
Wegen des Abrisses der Sternbrücke musste der Standort Ende 2023/Anfang 2024 aufgegeben werden, und der Clubbetrieb an dieser Adresse endete infolgedessen. Die Betreiber suchten zwar nach neuen Standorten, bis zum gegenwärtigen Stand war jedoch keine dauerhafte Weiterführung möglich.

Waagenbau

Der Waagenbau hat sich an der Sternbrücke in Altona als Techno- und Elektro-Club über viele Jahre hinweg etabliert. Wie andere Clubs am Brückenstandort endete der Betrieb dort Anfang 2024 wegen des Brückenneubaus; die Betreibenden verhandelten mit der Stadt über neue Locations und versuchen nach wie vor Alternativen für den Weiterbetrieb zu realisieren.

moondoo

Das moondoo war eine feste Größe der Reeperbahn-Clubszene von 2008 bis Ende 2024. In den Räumen Reeperbahn 136 veranstaltete der Club DJ-Sets, Partys und vielfältige Abendprogramme im Schnittfeld von Subkultur und kommerzieller Nachtszene. Ende 2024/Anfang 2025 schloss das moondoo zum Jahreswechsel, um Platz für den Umzug des Musikclubs Molotow in denselben Räumen zu machen. Damit endete auch die Existenz des Spendenclubs „Unterm Strich“ der Clubkinder. 

Lehmitz

Die Lehmitz war kein klassischer Club, sondern eine ikonische Kiez-Kneipe und Live-Musik-Location auf der Reeperbahn mit jahrzehntelanger Geschichte. Über Jahre bot sie ein Wohnzimmer-Atmosphäre-Setting mit Live-Musik, Rock-Bands auf dem Tresen und einem sehr direkten, stimmungsvollen Lokalpublikum, bevor sie zum 27. Dezember 2025 endgültig ihren Betrieb nach rund 20 Jahren einstellte.

Bar 227

Die Bar 227 war Teil des Sternbrücken-Clubs-Ensembles – ein Konzert- und Party-Ort und bot insbesondere Live-Musik, Partys und DJ-Sets. Aufgrund des Brückenneubaus an der Max-Brauer-Allee endete der Clubbetrieb an diesem Standort im Sommer 2025. Es existieren Pläne, die Bar 227 an anderer Stelle (z. B. im Kasematten-Projekt hinter den Deichtorhallen) wieder zu eröffnen.

Häkken

Häkken war eine Bar- und Veranstaltungs-Location im Klubhaus St. Pauli direkt am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn, bekannt für Partys, DJ-Programme, kleine Konzerte, Drinks und Ausgeh-Abende mit urbaner Atmosphäre. Laut eigenen Angaben hat die Location seit dem 31. Dezember 2025 nicht länger im Klubhaus St. Pauli geöffnet.


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