Clubkombinat Hamburg e.V.

Aktuelle Handlungsfelder für den Hamburger Senat / #2

Nach der jüngsten Novellierung der Hamburger Eindämmungsverordnung aktualisieren wir die Einschätzungen und Hinweise zur Situation der Musikclubs und Veranstalter:innen (vom 23.06.2021):

Wir verfolgen die ersten Lockerungen beim Tanzverbot im Freien und die Anwendbarkeit des Schachbrettmusters auch für nicht fest installierte Sitzplätze mit großem Interesse. Die beschlossenen Regularien für Tanzlustbarkeiten sind aus unserer Sicht jedoch zu restriktiv ausgefallen (u.a. Einhaltungspflicht der Abstandsregeln, Alkoholverzehr am Steh/Sitzplatz und Hotspot-Regelung mit Sperrstunde ab 23h), um eine Wirkung bzw. ein breiteres Veranstaltungsangebot zu erzeugen. Insbesondere die Beschränkung auf 250 Personen macht eine Wirtschaftlichkeit unmöglich.

Die Verantwortung für derart praxisfremde Veranstaltungsrahmenbedingungen (siehe auch Berichterstattung von HH-Inside) wird auf die Veranstalter:innen verlagert. Mit diesen Einschränkungen werden weiterhin viele Open Airs in Hamburg in der Illegalität stattfinden.

In Hamburg verfügen zudem die wenigsten Musikclubs über eigens nutzbare Außenflächen. Nach einer internen Verbandsumfrage erwägen derzeit kaum eine handvoll Veranstalter:innen unter den gegenwärtigen Beschränkungen derartige Tanzveranstaltungen anzubieten.

Wir sehen akuten Handlungsbedarf für ein vereinfachtes Verfahren zur Bewilligung von Sondergenehmigungen für temporäre Nutzungen von Musikverantaltungen im Freien. Insbesondere die Realisation von einigen bewilligten Veranstaltungskonzepten im Rahmen des “Hamburger Kultursommers” drohen an den behördlichen Prozessen aktuell zu scheitern. Eine dringliche Initiative seitens des Senats an die Bezirksämter wäre hierfür wünschenswert.

Ein Knackpunkt sind die in Hamburg äußerst gering verfügbaren Flächen, die unter Einhaltung der Schallimmissionsschutzrichtlinien Open-Air Musikveranstaltungen beherbergen können. Den Vorstoß des Bezirks Altona für konkrete Flächenvorschläge begrüßen wir, jedoch bleibt die konkrete Realisierbarkeit in puncto Genehmigunsfähigkeit und Finanzierbarkeit derzeit noch fraglich. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn weitere Bezirke Flächenvorschläge einbringen.

Aus unserer Sicht wären insbesondere konkrete Flächen im Bezirk Mitte (u.a. Heiligengeistfeld, Veddel (Am Bahndamm), Energieberg Georgswerder, Kleiner Grassbrook / Überseezentrum) und Bezirk Nord (Bert Kaempfert Platz, Stadtpark) vorab eingehender auf eine Machbarkeit zu prüfen. Auch bei der Frage zur Finanzierung der Infrastruktur für etwaige Flächenangebote existiert Klärungsbedarf. Wenn in diesem Jahr eine Realisation zeitlich zu knapp seine sollte, so wäre bereits jetzt für den Sommer 2022 ein Planungsstab einzusetzen.

Wir erinnern an dieser Stelle an die Vereinbarung im Koalitionsvertrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen (“Die Koalitionspartner setzen sich dafür ein, den Clubs für gemeinschaftliche Aktionen zur finanziellen Abmilderung des jährlichen Sommerlochs eine geeignete Freiluftveranstaltungsfläche zur Verfügung zu stellen.”).

Um eine gerechte und effiziente Flächennutzung durch möglichste viele und verschiedene Nutzergruppen zu erzielen, sollte eine Anschubfinanzierung für infrastrukturelle Maßnahmen und der Aufbau einer Dachorganisation geprüft werden.

Neben diesen Aktivitäten für eine Rettung der Open-Air Saison, ist die Aufstellung einer Planungsperspektive für die kommende Indoor Saison von essentieller Bedeutung. Wir fordern eine Aussage zur Strategie des Senats, welche Lockerungen für den Kultur- und Veranstaltungsbereich erwägt wenn, allen impfberechtigten Hamburger:innen ein Impfangebot unterbreitet wurde.

Zudem treibt uns die Frage um, mit welcher Begründung im Rahmen der AG Großveranstaltungen (siehe Beschluss vom 06.07.2021) dem Sport eine Sonderrolle eingeräumt wird? Aus unserer Sicht wird hier eine Planungssicherheit für die Bundesliga & Co geschaffen, während der Kultur eine notwendige einheitliche Behandlung und Planungsperspektive weiter vorenthalten wird. Ein funktionierendes Konzert- und Tourneewesen rückt damit in (noch) weitere Ferne.

Aktuelle Handlungsfelder #2

1.) Regularien für Tanzveranstaltungen zu restriktiv und unwirtschaftlich

2.) Schnellverfahren zur Bewilligung von Sondergenehmigungen für temporäre Nutzungen von Musikveranstaltungen im Freien

3.) Planungsstab für Open-Air-Fläche/n

4.) Planungsperspektiven für Veranstaltungen in Innenräumen ab dem Zeitpunkt, ab dem allen impfberechtigten Hamburger:innen ein Impfangebot unterbreitet wurde

5.) Begründung für die Sonderrolle des Sports

4 Kommentare zu “Aktuelle Handlungsfelder für den Hamburger Senat / #2

  1. Vani

    Die Frage wäre doch vielmehr, warum ist das System so aufgebaut, dass es nur mit Großer Masse funktioniert?Es wird gerade in diesen Kreisen ja oft von einem Umbruch des Systems gesprochen, weniger ist mehr etc.. Vllt wäre auch beim Thema Feiern / Party hier ein Ansatzpunkt für grundlegende ÄNderungen) Weg von der großen Masse hin zu kleinen überschaubaren Events und diese in Vielzahl.

    Wie man am Beispiel des Hamburger Kultursommers sehen kann, funktioniert es doch auch oder finden hier Bezuschussungen durch die Stadt/ das Land statt? Es ist ein wenig verwunderlich, dass offenbar alle Bereiche der Kultur es irgendwie schaffen, etwas auf die Beine zu stellen ,aber in der Feier / Partyszene es so schwer zu sein scheint. Liegt es daran, dass man nicht bereit ist, neue WEge zu gehen auf allen Seiten? Es gibt doch Flächen wo es möglich wäre, etwas zu veranstalten, natürlich unter Berücksichtigung oder vllt auch Aushebelung der Lärmschutz-Verordnungen etc. SIcher spielen hier auch verkrustete Behördenstrukturen eine Rolle.

    Wir haben z.B eine riesige Fläche mitten in der Stadt namens Heiliggeistfeld. Warum wird hier eigentlich nichts gemacht? Stadtparkwiese, JenischPark, die städtischen Parkflächen an den Landungsbrücken, das Dach des Kreuzfahrttermins Altona etc. Ist es denn wirlich nicht möglich hier in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg etwas zu vernstalten? Woran liegt es? Wo wären die Anknüpfungspunkte? Hindernisse?
    Das Beispiel Fussball wird immer angewendet und wenn man die WM Spiele anguckte wunderte man sich, aber muss man das als normaler verantwortungsvoller Mensch wirklich als Maßstab nehmen? Dies waren irrwitzige Entgleisungen von geldgeilen Verbänden, die mit uns in Hamburg gott sei Dank nichts zu tun haben. Fußball ist eine eigene und sehr geldgeile Welt die man einfach als Abart aktzeptieren sollte, aber die man nicht ranziehen sollte für jegliche Vergleiche.

    Das von Innenräumen mit vielen Menschen eben doch ein gewisses Risiko ausgeht, sieht man ja an den jüngsten Ausbrüchen in Restaurants und Bars und während dem eben kaum vermeidbaren Aspekt Arbeit (nicht jeder hat die Arbeit für Homeoffice bzw. die geeignete Wohnung / Platz dafür) sollte man doch im vermeidbaren privaten Rahmen das Risiko möglichst gering halten. Unabhängig ob man erkrankt oder nicht (was wenn man den Impfungen glauben schenken kann, ja hoffentlich wirklich geringer ist) ist es doch auch nicht so spassig wegen 2 Stundne tanzen 2 Wochen eingesperrt zu sein und dies ggfls trotz Impfung. Ich bewundere jeden dem all die Dinge so viel wert sind, mir sind sie es nicht, und ich denke vielen anderen geht es auch so.
    Vllt sollte man hier einfach noch etwas auf Nummer sicher gehen und versuchen tragfähige Außenkonzepte zu entwicklen mit Euch und Euren Mitstreitern und der Stadt Hamburg.

    1. Chris

      Hey Vani,

      um deine Frage schon mal vorab zu beantworten: der Hamburger Kultursommer wird von Stadt und Bund mit mehreren Millionen Euro bezuschusst. Ansonsten wäre er nicht möglich, denn auch er ist normalerweise ein „Massengeschäft“.

      Sicher kann man auch Events mit weniger Menschen durchführen, aber nicht gewinnbringend. Da aber auf Events überwiegend Menschen arbeiten, die das des Geldes wegen tun (die Miete will schließlich auch bezahlt werden), braucht man nun mal eine gewisse Anzahl an Besuchern.

      Man vergisst sehr schnell, dass der Betrieb einer Location, für die ja an jedem Tag des Monats Miete, Strom, Versicherung, Wasser, Heizung, Bewachung, etc. bezahlt werden müssen, an nur wenigen Tagen des Monats Einnahmen generieren. Die deutlich größte Zeit eines Monats generiert eine Location keinen einzigen Cent Umsatz.

      Es gibt ja auch durchaus Festivals, die nicht kommerziell laufen. Dort arbeiten dann aber die meisten Leute ehrenamtlich, kümmern sich in ihrer Freizeit um die Deko, etc. Das geht nur so lange, wie diese Menschen auch noch einen Hauptjob haben. Dass aber ein Betriebsleiter einer Discothek eben nicht nur freitagabends kommt, den Laden aufschließt, und sonntagfrüh wieder nach Hause geht und den Rest der Woche nichts zu tun hat, ist ein Irrglaube. Das ist eine volle 40-Stunden-Woche (Lieferantengespräche, Buchhaltung, Künstler buchen, Personalgespräche, etc.) und will irgendwie bezahlt werden.

      Das sehen die normalen Besucher oder Branchenfremde allerdings nicht. Wenn man sich das aber mal verinnerlicht (und das waren jetzt nur einige Argumente), wird recht schnell klar, dass die Eventbranche ein Massengeschäft ist.

      Eine andere Möglichkeit, Events auch in kleinerem Rahmen stattfinden zu lassen, wären DEUTLICH angezogene Preise. Aber wer zahlt denn schon gerne 50 Euro Eintritt und 12 Euro für ein Wasser…? Nicht vergessen, die Fixkosten einer Location sind die gleichen, egal, ob 200 Besucher kommen, oder 2.000 – aber mit 2.000 Besuchern habe ich natürlich eine bessere Chance, die Kosten auch zu decken.

      LG, Chris

  2. Pingback: Linksfraktion.Hamburg: Feiern in Hamburg? Raus aus der restriktiven Sackgasse! – DIE LINKE.NEWS

  3. Marion Justinsky

    Ich bete, dass hier nicht durch die Hintertür der alternativen Club und Barscene die Luft abgedreht werden soll und immense Kontrollmechanismen nebst Sperrstunde uns erhalten bleiben, immer unter dem Deckmäntelchen der Pandemie.
    Es war über den ganzen Zeitraum der Corona – Krise nicht einzusehen, warum Bars und Clubs geschlossen bleiben mussten, selbst draußen und mit einem guten Hygienekonzept, beispielsweise Indoorshoppingmalls und Discounter u.ä. aber offen blieben, und das ohne Kontaktnachverfolgbarkeit.
    Ebenso absurd, Fußballspiele mit zigtausend Zuschauern zu erlauben, die lustig feiern, singen und rumschreien, ohne großen Abstand und tanzen aber verboten ist, weil…??? Wenn man still vor sich hintanzt, schwitzt man vielleicht, aber ist Schweiß ein Aerosol? ; ) Und warum soll es gefährlicher sein, mit z. B. 250 – 500 Menschen draußen zu tanzen und sich einfach zu befinden, stehend oder sitzend, als 60000 Menschen im Stadion?! Und dann wird noch lustig die Virusvariantenwarnung für England passend zu den Halbfinalspielen aufgehoben, damit alle schön dahin fahren können, wo die Inzidenz über 250 liegt, aber hier in Hamburg mit einer Inzidenz unter 10 gibt es nach wie vor unfassbare Eingriffe in die Grundrechte und Grundbedürfnisse eines jeden Menschen nach menschlicher Nähe, Tanz und Gesang, gemeinsame Begehung von Festen und Ritualen .Was können wir tun??!!! ; )

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