Clubkombinat Hamburg e.V.

Im Club mit … Helgen

© CarlitoPix

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Ihr habt mit Helgen weit über 100 Shows gespielt. Von welchem eurer Hamburg-Konzerte wirst du noch deinen Enkeln erzählen?

Helge Schulz: Das Release-Konzert zu unserer ersten EP „Gerne, Gerne, Gerne“ 2015 im Knust war auf jeden Fall etwas Besonderes. Wir haben uns damals den Arsch aufgerissen, damit der Laden voll wird, und am Ende waren tatsächlich 400 Leute da. Das hat tierisch Spaß gemacht. Ich komme aus Krummendeich Richtung Cuxhaven, da gab es nur Dorffeste, auf denen man spielen konnte. Im Knust allerdings haben gefühlt immer die ganz dicken Fische gespielt. Auf einmal selbst da auf das Bühne zu stehen, war ein total cooles Gefühl.

War Hamburg für dich stets die große, reizvolle Stadt, damals in Krummendeich?

Schulz:Irgendwie schon, ja. Ich bin zwar zum Studieren nach Hannover gegangen, wo ich dann auch die anderen aus der Band kennen gelernt habe, aber für uns war immer klar, dass es danach zurück nach Hamburg geht. Ich liebe Hamburg als Stadt einfach: das Wasser, den Hafen und all das.

Kannst du dich noch an deinen ersten Club- oder Konzertbesuch in Hamburg erinnern?

Schulz: Als ich elf war, war ich mit meinen Eltern bei Supertramp im Stadtpark. Ich hatte damals eine große Leidenschaft fürs Saxophonspielen entwickelt. Meine Eltern haben sehr gerne und viel Musik gehört, irgendwann zeigten sie mir dann Supertramp. Der Saxophonist von Supertramp ist ein richtig geiler Typ und das Konzert hat mich damals total geflasht. Ich habe auch noch ein paar schöne Bilder von dem Abend. Später war ich dann oft auf Konzerten in der Fabrik, im Molotow und im Kunst.

Mit welchem Laden verbindest du die meisten Erinnerungen?

Schulz:Helgen sind schon ziemlich eng mit dem Knust verbandelt, zumal wir mit dem Team mittlerweile auch gut befreundet sind. Aber auch das Freundlich+Kompetent ist ein wichtiger Laden für uns. Dort haben wir gerade die Release-Party zu unserem Album geschmissen und Niklas arbeitet da als Tontechnker. In den beiden Läden trifft man uns auch privat oft.

Beide Läden legen viel Wert auf Newcomer-Förderung. Wie wichtig ist das für die Clubszene?

Schulz:Total. Dass das Knust uns damals hat spielen lassen, werden wir nie vergessen. Wir durften da sogar eins unserer Musikvideos drehen und sie haben den Laden extra für uns an einem Sonntag aufgemacht. Auch das F&K macht echt coole Sachen. Die fragen uns ständig, wenn sie was organisieren, ob wir spielen wollen. Bei den beiden Läden steckt viele Liebe und Bock dahinter, das merkt man.

Was macht einen guten Club aus?

Schulz:Er darf nicht zu glatt sein, sondern muss ein bisschen was Ranziges haben, was Erdiges und Kerniges. Es darf nicht zu hell sein und es darf von mir aus auch gerne geraucht werden. Ich rauche zwar selbst nicht, aber ich finde mit Rauchern hat man oft die besten Gespräche. Das sind gute Small Talker. Die Musik im Club muss natürlich auch stimmen. Vor allem aber muss man merken, dass da Herzblut drin steckt. Wenn man den Enthusiasmus der Veranstalter selbst in sich aufnimmt, dann ist es ein guter Club.

Wie würdest du die Hamburger Clublandschaft insgesamt beschreiben?

Schulz:Ich wohne mitten auf dem Kiez und was mir besonders gefällt, ist die Mischung. Dass es neben Clubs auch viele Bars und Kneipen gibt. Kleine urige Kaschemmen, in die man rein stolpert und wo man dann plötzlich vor einem Klavier steht. Zum Beispiel das „Crazy Horst“ in der Hein-Hoyer-Straße. Solche Läden sind einfach geil, das hat so was Persönliches. Die Leute hinter dem Tresen sind richtige Paradetypen und wenn man da hingeht, entsteht immer irgendwas.

Wenn du Hamburgs Kultursenator wärst, was würdest du ändern?

Schulz: Ich würde es toll finden, wenn es wieder mehr Session-Formate gäbe. So wie früher, als die Leute einfach zu Jam-Sessions gegangen sind und dazu abgetanzt haben. Ich bin nicht der Typ, der zu Elektromucke tanzt, sondern ich finde es cool wenn von der Bühne Energie kommt, die einen dazu bringt, abzugehen. So ein Format fehlt mir, da würde ich Kohle rein stecken.

Mal angenommen der Geldtopf wäre danach noch nicht leer und du dürfest ein großes Konzert organisieren. Wen würdest du buchen, und in welchen Laden?

Schulz:Ich würde es im Stadtpark machen, da ist es einfach immer geil. Wir würden natürlich selber spielen, außerdem natürlich unsere Freunde Torpus & The Art Directors und OVE. Dazu würde ich noch Father John Misty und Massive Attacke einladen. Das wird also eher ein Festival, merke ich gerade.

So lange das noch in der Planung ist – bei welchem Konzert würdest du im Oktober gerne auf der Gästeliste stehen?

Schulz: Bei Jonny Lang am 27. Oktober im Mojo Club, weil der eine unfassbare Stimme hat und im ersten Blues-Brothers-Film mitgespielt hat, bei Nick Cave am 9. Oktober in der Sporthalle, weil ich den einfach gut finde, und bei Gisbert zu Knyphausen am 29. Oktober im Uebel & Gefährlich. Ich war noch nie auf einem Gisbert-Konzert und das muss unbedingt erledigt werden!

Hast du noch ein letztes Wort für die Hamburger Clubgänger?

Schulz:Geht ordentlich zu Konzert und feiert die Live-Musik!


ZUR BAND

Zwar kommen Sänger Helge, Bassist Niklas und Schlagzeuger Timon alle aus Hamburg beziehungsweise dessen Dunstkreis (Krummendeich, Norderstedt und Langenhorn), kennen gelernt haben die drei sich allerdings beim Popmusik-Studiengang in Hannover. Schnell stellten sie fest, dass sie musikalisch auf einer Wellenlänge liegen, und gründeten 2014 die Band Helgen. Zurück in Hamburg veröffentlichten sie Anfang 2015 ihre erste EP „Gerne, Gerne, Gerne“ und spielen viele Konzerte – über 100 bisher. Ihr Debütalbum „Halb oder gar nicht“ ist Anfang August erschienen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


ZUR MUSIK

„Die Band Helgen ist ein großes Versprechen“, schieb die FAZ schon letzten Herbst. Mit seinem Debütalbum „Halb oder gar nicht“, das von Olaf Opal (The Notwist, Sportfreunde Stiller) produziert wurde, löst das Trio dieses Versprechen ein: Helgen machen Pop im allerbesten Sinne. Manchmal gen Funk schielend, manchmal eher akustisch. Zeitgemäß, aber nie an irgendwelchen Trends interessiert. Vergleiche zu Paul McCartneys Soloplatten aus den 70er-Jahren oder Paul Simons „Graceland“ liegen genauso auf der Hand wie zum Indie-Pop der frühen Nuller Jahre. Obendrauf gibt’s geistreiche Texte.


HELGEN live

Datum: 22. Oktober 2017 Ort: Knust

Einlass: 19.00 Uhr Beginn: 20.00 Uhr

Tickets: 11,50 Euro